All

Wie viele Menschen sind gerade im All?

Habt ihr euch auch schonmal gefragt, wie viele Menschen gerade im All sind? Tatsächlich leben seit dem Jahr 2000 durchgehend Menschen im All, meistens auf der Internationalen Raumstation ISS. Doch die Träume, die Wissenschaftler wie Wernher von Braun noch vor Ende des Apollo-Programms hatten nahmen ganz andere Dimensionen an. Denn heute ist die Anzahl der Menschen im All nicht gerade motivierend.

100.000 Menschen im All?

In den 60ern des 20.Jahrhunderts dachte man, die Kolonisierung des Sonnensystems könne nun beginnen. Man träumte davon, dass zur Jahrtausendwende hunderte Menschen auf dem Mond leben und weitere 100.000 in riesigen Raumstationen, die die Erde umkreisen, sogenannten O´Neill-Kolonien. O´Neill-Kolonien sollen nicht von Planeten abhängig sein, sondern an den Librationspunkten installiert werden, gewissen Orten im Sonnensystem, an denen Himmelskörper antriebslos die Sonne umkreisen können. Die O´Neill-Kolonien sollten riesige Zylinder sein, die sich drehen und künstliche Schwerkraft erzeugen. Die Innenseiten der Zylinder sollten Lebensräume sein, in denen Städte, Wälder und Seen existieren. Die geplanten Ausmaße wären so riesig, dass eine Kolonie zehntausende Menschen beinhalten könnte. Der Himmel im Zylinder wäre blau und es würde sogar regnen.

Nur die Luft in einem Zylinder würde 1,2 Milliarden Tonnen wiegen. Als O´Neill seine Idee vorschlug ging er von Kosten bis zu 100 Milliarden Dollar aus. Tatsächlich kostete die Internationale Raumstation insgesamt etwa so viel. Heute ist man der Überzeugung, dass wir von der Realisierung von O´Neill-Kolonien noch weit entfernt sind. Damals befand sich das Space Shuttle noch in der Entwicklungsphase und O´Neill rechnete mit günstigen Transporten ins All. Doch die Kosten für ein Shuttle-Start waren am Ende des Baus hundert mal höher als gedacht. Heute geht man davon aus, dass für den Bau einer O´Neill-Kolonie mehrere Trillionen US-Dollar notwendig wären. Man geht davon aus, dass man drei mal mehr Geld benötige als auf der ganzen Welt vorhanden ist.

Frühzeit der Raumfahrt

In der Frühzeit der Raumfahrt waren immer nur vereinzelnd Menschen im All. Dass Menschen imm All lebten begann erst mit den sowjetischen Saljut-Raumstationen. Meistens waren drei Menschen dann für einige Wochen im All. Auch bei den Apollo-Flügen der NASA waren immer drei Menschen dabei. In der Zwischenzeit waren oft gar keine Menschen im All. Auch die US-amerikanische Skylab konnte immer nur drei Menschen beherbergen. Schließlich wollte man jedoch mehr Menschen im All ansiedeln. Die erste wirklich große Raumstation war die sowjetische Mir. Dort verbrachten bis zu sechs Astronauten bis zu 14 Monate. Das war der Beginn der Weltraumkolonisierung.

Die Internationale Raumstation

Nachdem sich die Fronten zwischen Ost und West entspannt hatten dachte man auch im All über engere Zusammenarbeit nach. Zunächst sollte eine Station gebaut werden, die dauerhaft von zehn bis zwanzig Personen bewohnt wird. Die Kosten schätzte man auf acht Milliarden Dollar. Unter Präsident Clinton wurde das Konzept neu aufgelegt, da die Kosten explodierten. Man wollte die Station nun mit internationalen Partnern bauen und die sollte sieben Menschen Platz bieten. Bis heute lagen die Kosten der ISS bei 100 Milliarden Dollar und nicht bei den prognostizierten acht Milliarden. Derzeit ist die ISS der einzige Ort, an dem Menschen im All leben. Die chinesische Tiangong 2 ist selten bemannt und wird bald kontrolliert abstürzen. Daher ist die Anzahl der sich derzeit im All befindlichen Menschen etwas demotivierend: 6.

Theoretisch kann die ISS sieben Menschen beherbergen, doch nach dem Ende der Space Shuttles gibt es oft Engpässe bei den Sojus-Raumschiffen, sodass es selbst eine Herausforderung ist, die Station dauerhaft bemannt zu halten. Außerdem muss immer genug Kapazität in den Rettungsraumschiffen sein, die die gesamte Besatzung im Notfall zur Erde bringen. Insgesamt dauert ein Aufenthalt auf der ISS etwa sechs Monate. In die Sojus-Raumschiffe passen immer drei Menschen, so fliegen drei zur ISS, während drei zurück zur Erde kehren und drei oben bleiben. Nach weiteren drei Monaten fliegen diese drei zurück während drei neue starten.

Weltraumtourismus

Ab 2020 soll die ISS auch für Weltraumtouristen geöffnet werden. Da die USA mit SpaceX und Boeing nun wieder selbst einen Zugang zur ISS haben werden auch wieder genug Kapazitäten vorhanden sein, dass sieben Menschen auf der ISS leben. Einer davon soll zeitweise ein Weltraumtourist sein. Zweimal im Jahr sollen für vierzehn Tage Touristen mit SpaceX zur ISS fliegen. Ab und zu erreicht auch Virgin Galactic die Untergrenze des Alls in 100 Kilometern Höhe und bringt Touristen ins All. So sind ab und zu auch 8 Menschen im All, bald werden es vielleicht auch noch mal neun oder zehn. Der Rekord ist bisher 13, er wurde jedoch noch zur Zeit der Space Shuttles erreicht, als sowohl Menschen im Shuttle als auch auf der ISS waren.

Zukunft

Dieser Rekord wird so bald auch nicht mehr erreicht werden. Derzeit sieht es so aus, als würden in Zukunft weniger Menschen dafür tiefer im All leben. (Habe ich etwa hier schon drüber geschrieben.)So kehren sich die staatlichen Behörden derzeit von Stationen im Erdorbit ab – sie wollen tiefer ins All, zum Mond und zum Mars. 2022 soll eine neue Raumstation namens LOP-G (Lunar Orbital Platform-Gateway) gebaut werden. Sie soll tausend mal weiter von der Erde entfernt sein und den Mond umkreisen. So soll der große Sprung ins All endlich gelingen und auch der Deep Space kolonisiert werden. Im LOP-G sollen jedoch nur vier Menschen etwa drei Monate leben – außerdem muss die Station nicht dauerhaft bemannt sein. 2024 sollen auch vier Menschen im Shakleton-Krater nahe des Südpols des Mondes landen. 2028 soll dort auch ein Habitat errichtet werden. Dann wird der Rekord von 13 womöglich gebrochen, denn dann können Menschen auf der Mondoberfläche, im LOP-G und in privaten Raumstationen im Erdorbit leben. Langfristig sollen weitere Habitate auf der Mondoberfläche hinzukommen. Am Ende des Jahrhunderts sollen über hundert Menschen auf dem Mond und weitere hunderte auf dem Mars leben. Dann werden die Träume aus den 60ern endlich Wirklichkeit.

Hier kann man jederzeit die aktuelle Zahl nachschauen.

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