Venus

Studie beschäftigt sich mit Lebensfreundlichkeit der Venus

Irgendwo jenseits der Erde eine Welt vorzufinden, die Wasser und Leben beherbergt, sowie unsere, ist eine faszinierende Vorstellung. In unserem Sonnensystem stehen vor allem Mars und einige Monde des äußeren Sonnensystems im Fokus der Astrobiologen. Doch gerade der lebensfeindlichste Planet des Sonnensystems könnte eine sehr lange Zeit über lebensfreundlich gewesen sein und womöglich sogar einen Ozean gehabt haben – die Venus.

Die böse Schwester der Erde

Auf den ersten Blick sind sich Erde und Venus recht ähnlich. Die Venus hat den Abstand zur Sonne, der dem der Erde am ähnlichsten ist. Masse und Volumen sind fast genau gleich, beide Planeten haben eine Atmosphäre und einen Schalenaufbau mit Mantel und Kern. Und dennoch kann die Temperatur auf der Oberfläche der Venus bis auf fast 500°C steigen. Damit ist sie der heißeste Planet im Sonnensystem. Die Atmosphäre ist undurchsichtig und so ist die Oberfläche unter einem dichten Wolkenband bedeckt.

Dies hat lange für Spekulationen gesorgt, was sich wohl auf der Oberfläche der Venus befindet. Noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts stellte man sich Dschungel, ein tropisches Klima und friedfertige Zivilisationen vor, die die Venus bevölkerten. Kein Teleskop konnte durch die Wolkenschicht schauen. Die erste Raumsonde, die auf der Venus landen sollte, war für eine Landung im Wasser ausgelegt. Doch tatsächlich räumte sie auf mit den Mythen. Die Oberfläche des Planeten gleicht einer Hölle.

Viermal Venus

Doch wieso ein Planet, der der Erde eigentlich so ähnlich ist, sich so entwickelt hat, ist ein Rätsel. Um dieses Rätsel zu lösen, haben Forscher vom Goddard Institute for Space Studies den Werdegang der Venus unter vier verschiedenen Bedingungen simuliert und dann ausgewertet, aus welchen Bedingungen am ehesten die heutige Venus resultiert. Sie simulierten einen Planeten mit der heutigen Topographie der Venus, aber tiefen Ozeanen in den Senken, eine Venus mit seichten Gewässern, eine mit erdähnlicher Topographie und einen komplett mit Wasser bedeckten Planeten. Dann setzten sie alle vier Planeten den Bedingungen der Venusbahn aus schauten, wie sie sich entwickelten.

Die Topographie der Venus spielt eine entscheidende Rolle bei ihrer Entwicklung.

Theoretisch ein Erdzwilling

Die Ergebnisse waren überraschend. Alle vier Welten hätten ein über Milliarden Jahre stabiles Klima gehabt und würden zu einer Venus mit tropischen Temperaturen von 20°C bis 50°C führen. Theoretisch wäre die Venus also bis heute ein Erdzwilling. Daraus könnte man schließen, dass keine der vier Versionen stimmt und die Venus nie lebensfreundlich war. Doch dass passt nicht zu den Ergebnissen von Raumsonden, die zur Venus flogen. Also muss es ein einschneidendes Ereignis gegeben haben, das den Planeten so entstellt hat, das sich das Klima nie regenerierte.

Globaler Vulkanismus

Eine Möglichkeit, die in Erwägung gezogen wird ist ein extremer globaler Vulkanismus, der die Oberfläche der Venus aufgeschmolzen hat. Aus dieser Kruste sind dann gebundene Gase wie CO2 und Wasserdampf in die Atmosphäre entwichen, wo sie einen sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt in Gang gesetzt haben. Durch die Gase wurde die Atmosphäre dichter, sodass die Wärme nicht mehr entweichen konnte und das Klima sie veränderte. Durch diese Veränderung entwichen noch mehr Gase und es ging so weiter. Der Startschuss für diesen Teufelskreis könnten Vulkane gewesen sein. So war es auch auf der Erde. Vor 250 Millionen Jahren war ein extremer Vulkanismus in Sibirien Grund für das größte Massenaussterben aller Zeiten. Da die Erde zu diesem Zeitpunkt bereits ein widerstandsfähiges ökologisches Netz hatte, welches Veränderungen trotzte und Sauerstoff produzierte, pendelte sich das irdische Klima wieder ein. Die Venus hatte vermutlich kein solches Netz.

Ein Spiegel unserer Zukunft?

Sollte diese These stimmen und könnte ein Treibhauseffekt tatsächlich solche Folgen haben, wären dass alarmierende Nachrichten für die Erde, denn denselben Ausgasungsprozess erleben auch wir. Auch auf der Erde entweichen CO2 und Methan aus dem Boden und reichern sich in der Atmosphäre an, wodurch die Wärme gefangen bleibt. Wenn wir unsere Emissionen also nicht drastisch drosseln, sind wir nicht nur ein Spiegel der Vergangenheit der Venus, sondern sie ist auch ein Spiegel unserer Zukunft.

Weitere Missionen nötig

Doch um zu klären, ob es auf unserem Nachbarplaneten überhaupt Vulkanismus gab und gibt und sie somit tatsächlich mal lebensfreundlich war, benötigen wir Raumsonden. Anders lässt sich die Venus nicht erforschen. Zudem reichen keine einfachen Orbiter aus, sondern es müssen auch wieder Raumonden dort landen, wie in der Sowjetzeit, in der die Venera-Raumsonden bis zu einer Stunde auf der Oberfläche überstanden. In den Schubladen von NASA und Roskosmos liegen Konzeptstudien für neue Missionen. So plant Russland 2025 an das Venera-Programm anzuknüpfen und möchte mit der Raumsonde Venera-D erstmals eine längere Zeit die Venusoberfläche erforschen. Die NASA hat Zeppeline vorgeschlagen, die in den recht erdähnlichen oberen Atmosphärenschichten schweben könnten und auch einen Ballon. In den 2030ern könnten Menschen den Planeten dann mit eigenen Augen sehen. Für den bemannten Marsflug ist ein Vorbeiflug an der Venus geplant.

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