Flugtaxis

Sind Flugtaxis eine ernstzunehmende Alternative?

Flugtaxis werden in letzter Zeit heftig diskutiert. Im Frühjahr 2018 erntete Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, Häme, als die sagte, man dürfe die Digitalisierung nicht nur auf den Netzausbau reduzieren, sondern müsste auch Innovationen wie Flugtaxis miteinbeziehen. Jetzt, kurz nach der Europawahl, kommt das Thema wieder in Schwung. Nicht nur Politiker, auch Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Idee. Ein Faktencheck.

Funktionsweise von Flugtaxis

Alle Flugtaxis die derzeit entwickelt werden sind Senkrechtstarter. Sie fliegen mit Rotoren, die meist elektrisch angetrieben werden. BMW hat jedoch auch ein Flugtaxi konstruiert, welches mit Wasserstoffantrieb fliegt. Eigentlich handelt es sich also um eine Art bemannte Drohne. Alle Flugtaxi-Konzepte gehen von autonomen Fahrzeugen ohne Führer aus. Häufig werden leichte Brennstoffzellen als Antrieb statt schwerer Elektromotoren verwendet. Durch die Drehung der Rotoren wird ein dynamischer Auftrieb erzeugt. Der Druck unterhalb der Rotoren ist höher als der oberhalb der Rotoren. So kann das Flugtaxi quasi auf einem Luftkissen fliegen. Neben diesen Flugtaxis gibt es auch Entwürfe für Autos, die mit Magnetantrieb schweben. Diese sind jedoch weit weniger ausgereift als die Flugtaxis.

Ein offensichtlicher Vorteil

Viele Fragen sich, welche Vorteil Flugtaxis überhaupt gegenüber normalen Elektroautos haben. Der Hauptvorteil ist offensichtlich. Es gibt keine Reibung zwischen Reifen und Straße, bei der viel Energie verloren geht. Dadurch muss viel weniger Energie aufgewandt werden, um sich zu bewegen. Das gibt Flugtaxis von vornherein einen Vorteil und macht sie zu einer potentiellen Möglichkeit für den Verkehr der Zukunft.

Nur bei Mittelstrecken überhaupt sinnvoll

Dennoch kostet das Fliegen und vor allem das Abheben natürlich viel Energie. Auf sehr kurzen Strecken bringen elektrische Flugtaxis keine ökologischen Vorteile gegenüber normalen Autos mit Verbrennungsmotor. Das Flugtaxi muss mindestens 35 Kilometer fahren, um besser abzuschneiden. Auf einer Strecke von 100 Kilometern erzeugt das Flugtaxi 35% weniger CO2-Äquivalente als ein normales Auto mit Verbrennungsmotor. Doch eine echte Alternative ist das noch nicht: Das Flugtaxi liegt auch dort noch 28% über dem normalen Elektroauto.

Auf die Personen kommt es an

Ein Flugtaxi wird umweltfreundlicher, je länger die Strecke ist. Doch nicht nur darauf kommt es an. Flugtaxis wären wirtschaftlich für Betreiber nur sinnvoll, wenn möglichst viele Passagiere an Bord sind. Auch ökologisch spielt die Anzahl der Passagiere eine große Rolle. Ab zwei Fahrgästen ist das Flugtaxi nachhaltiger als das Verbrennungsauto, ab drei Fahrgästen sogar nachhaltiger als das Elektroauto. In dieser Situation werden 52% weniger CO2-Äquivalente erzeugt als beim Verbrennungsauto und sechs Prozent weniger als beim Elektroauto.

Für einige Situationen sinnvoll

Als Stadtwagen eignet sich das Flugtaxi also nicht, aber für einige Strecken sind sie durchaus sinnvoll. Der Frankfurter Flughafen prüft etwa derzeit eine Anbindung mit Flugtaxis an die komplette Rhein-Main-Region. Dies wäre ein Musterbeispiel für einen sinnvollen Einsatz. Die Taxis wären fast immer ausgelastet und auch streckenmäßig wäre es eine gute Alternative. Auch in Metropolregionen könnten Flugtaxis zwischen den einzelnen Kernstädten verkehren oder die Stadt mit dem Umland verbinden. So könnten ländliche Regionen sogar mit als erstes von den Flugtaxis profitieren.

Wie ist der Stand?

Doch wie sieht es mit der Realisierung aus? Flugtaxis sind physikalisch machbar, das haben flugfähige Prototypen längst bewiesen. Deutschland ist derzeit federführend in der Entwicklung solcher Flugtaxis, Audi und Daimler entwickeln ihre Modelle und möchten sie an Unternehmen verkaufen. Ab 2025 werden die ersten Unternehmen die Fahrzeuge einsetzen. In Deutschland sind die Regionen Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Berlin besonders interessant für die Investoren. Ab 2025 sollen dort Flugtaxis verkehren. Besonders von Stau belastete Städte investieren ebenfalls in die Technologie. Das deutsche Unternehmen Voltocopter hat das erste funktionsfähige Flugtaxi entwickelt.

Auch die USA sind mit den Firmen Uber, Microsoft und Intel vertreten, Frankreich mit Airbus und China mit Tecent. Es ist zu erwarten, dass Flugtaxis sich im Laufe des nächsten Jahrzehnts im Verkehr etablieren werden, allerdings nur in Nischen.

Fazit zu Flugtaxis

Man sollte den technologischen Fortschritt niemals unterschätzen. Der Film „Das fünfte Element“, der 1997 gedreht wurde spielt im Jahr 2263. Dort sind Flugtaxis längst Realität – aber ökologsich sinnfrei überall. Die Computer, die in dem Film zu sehen sind, erscheinen uns im Jahr 2019 jedoch regelrecht altmodisch. Die Entwicklung von Flugtaxis ist jedoch richtig und wichtig, um Stadt und Umland, Umland und Flughafen oder Stadt und Stadt besser zu vernetzen. Innerhalb der Stadt führt an ÖPNV und Fahrrad jedoch kein Weg vorbei. Und bis es soweit ist müssen wir auch in Metropolregionen die S-Bahn nehmen. Über Flugtaxis sollte man sich nicht lustig machen, wohl aber über Parteien, die sie als Lösung für alle Probleme verkaufen.

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

Ein Gedanke zu „Sind Flugtaxis eine ernstzunehmende Alternative?

  1. Sehr schöne Zusammenfassung.
    Danke dafür,
    Aber eine Anmerkung/Frage zum Text habe ich
    “Der Druck unterhalb der Rotoren ist höher als der unterhalb der Rotoren.”
    Muss das zweite unterhalb nicht eigentlich oberhalb heißen? Oder habe ich das falsch verstanden?

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