Weltraumtourismus

Regelmäßiger Weltraumtourismus ab 2020?

Im beliebten Science Fiction Film 2001: A Space Odyssey sind Linienflüge im Weltraum bereits zur Jahrtausendwende Realität. Bis heute gilt Weltraumtourismus in der Öffentlichkeit als Utopie, die vielleicht in vielen Jahrzehnten Realität wird, wenn überhaupt jemals. Doch dabei vergessen viele, dass Weltraumtourismus schon lange Realität ist. Nämlich seitdem Dennis Tito 2001 als erster Weltraumtourist zur Raumstation flog. Doch wie steht es derzeit mit der Zukunftsbranche Weltraumtourismus?

Touristen auf der ISS

Der Wunsch ins All zu fliegen ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Genauso weit ist der Wunsch unter Unternehmen verbreitet, im All Geld zu machen. Die Anfänge des Weltraumtourismus waren holprig. Schon früher wollten Privatpersonen für Geld auf die ISS, doch die NASA sträubte sich dagegen, eine von Steuergeldern bezahlte Forschungsstation im Erdorbit als Hotel für Superreiche zu nutzen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos sah das alles etwas lockerer, wenn es darum geht, Geld zu verdienen und erlaubte – zur Unmut der NASA – 2001 tatsächlich einen Touristenflug auf die ISS.

Diesen Ausblick werden schon nächstes Jahr auch Touristen genießen können.

Dennis Tito wurde nie unbeaufsichtigt gelassen und durfte sich auch nicht frei bewegen, aus Angst, er könnte Geräte zerstören. Roskosmos gewährte anschließend weiteren zahlungskräftigen Personen Zugang zur Raumstation. Doch als die NASA das Space Shuttle-Programm eingestellt hat, musste die Besatzung von sieben auf sechs reduziert werden, da im Notfall nicht genug Rettungskapazitäten für sieben Astronauten vorhanden wären. Daher liegt der Weltraumtourismus seitdem auf Eis. Doch es tut sich etwas.

Mehr Kommerz wagen

Die Raumfahrtbranche wird derzeit von privaten Unternehmen erschüttert, die im All Geld verdienen wollen. So entsteht eine Innovative Kooperation von staatlichen Behörden und Privatunternehmen. Etwa versorgt SpaceX mit seinen Dragon-Transportern die ISS und Blue Origin entwirft eine Mondlandefähre für das Mondprogramm der NASA. Zukünftig wird der Erdorbit ein Spielplatz von Unternehmen sein, die durch verschiedene Projekte dort Geld verdienen. So werden SpaceX und Boeing vermutlich noch in diesem Jahr erstmals Menschen zur ISS fliegen. SpaceX plant zudem das sogenannte Starlink-Netz eine Satellitenflotte, die bereits im nächsten Jahrzehnt eines globalen lückenlosen Internetzugang gewährleisten wird. Bigelow Aerospace plant das erste Weltraumhotel und es gibt sogar lose Entwürfe für einen Weltraumfahrstuhl. Der erdnahe Weltraum wird kommerzialisiert werden, während sich die staatlichen Behörden wieder auf das konzentrieren, wofür sie mal gegründet wurden – die Eroberung des Weltalls.

Unternehmen schaffen zusätzliche Kapazitäten

Wegen des schon genannten Problems der Notfallevakuierung der ISS kann die Raumstation ihre maximale Besatzungsstärke von sieben derzeit nicht erreichen. Doch wenn neben den Sojus-Kapseln zusätzlich auch SpaceX´s Dragon Crew und Boeings Startliner Menschen zur ISS bringen, werden dadurch zusätzliche Kapazitäten frei und die Station wird wieder von sieben Astronauten bewohnt sein. Für den zusätzlichen Passagier haben NASA, ESA und Roskosmos einen Plan. So sollen regelmäßig Weltraumtouristen die ISS besuchen und dort etwa drei Wochen bleiben. Dies soll bereits beginnen, sobald die kommerziellen bemannten Raumschiffe im Regelbetrieb sind, also Anfang nächsten Jahres. Dann werden genug Kapseln für die Evakuierung der Station vorhanden sein.

Derzeit noch eine Vision: Die Dragon Crew von SpaceX fliegt die ISS an.

Ein Forschungslabor mit Verfallsdatum

Schon im nächsten Jahr könnte Weltraumtourismus also zur Routine in der Raumfahrt werden, zahlungskräftige potentielle Passagiere gibt es genug. Doch die ISS wurde nie als Hotel im All gebaut, als der Bau in den 90ern begann hielt man Weltraumtourismus für reine Fantasterei. Die ISS ist ein Forschungslabor, das für Wissenschaftler ausgelegt ist und kein Ort zum Urlaub machen. Zudem fliegt die ISS dem Ende ihrer Betriebszeit hingegen. Spätestens 2024 wird die NASA den Geldhahn zudrehen, denn sie will schließlich eine menschliche Präsenz beim Mond aufbauen, jährliche Fixkosten für die ISS kann sie nicht verkraften. Zwar spielt man mit der Idee, die ISS zu privatisieren, doch spätestens 2028 wird der Betrieb alleine aus technischen Gründen Enden müssen, die Leistung der Solarkollektoren nimmt ab, Mikrometeoriten zieren die Hülle der Station. Weltraumtourismus auf der ISS ist daher kein perspektivischer Weltraumtourismus, mit dem man langfristig Geld verdienen kann. Dafür müssen ganz neue Konzepte her.

Weltraumhotel Alpha

Eines davon hat der US-amerikanische Hotelier Robert Bigelow. Sein Raumfahrtunternehmen Bigelow Aerospace arbeitet an einer privaten Raumstation, die auch als Weltraumhotel dienen soll, die im Orbit quasi aufgeblasen wird. Dadurch gewinnt man beim Start enormen Platz. Den ersten Erfolg gab es im Jahr 2006. Dort startete ein aufblasbares Modul namens Genesis 1 zur ISS, um dort getestet zu werden. Tatsächlich konnte es aufgeblasen werden und trotzt kosmischer Strahlung und Mikrometeoriten beständig. Damit ist die Technologie erprobt und der Weg im Wesentlichen frei für die Bigelow Alpha, die erste private Raumstation, in der dann auch Touristen leben.

Versorgung einer privaten Raumstation

Es steht eigentlich außer Frage, dass Bigelow Aerospace noch im nächsten Jahrzehnt in der Lage sein wird ein aufblasbares Weltraumhotel in den Erdorbit zu befördern. Doch realisiert wird das nur, wenn es rentabel ist. Dafür braucht es natürlich auch eine Möglichkeit, die Raumstation zu erreichen. Doch bemannte Raumfahrtsysteme gibt es derzeit nur wenige. So kann Russland mit seines Sojus-Kapseln Astronauten ins All bringen, doch dort gibt es sowieso permanent Engpässe, sodass Sojus-Raumschiffe flachfallen. Auf die chinesischen Shenzhen-Kapseln wird ein amerikanisches Unternehmen wohl nicht zurückgreifen, wenn es auch nur den Hauch eine Chance haben möchte, Regierungsgelder zu erhalten. Ein eigenes Raumschiff zu entwickeln ist utopisch. Daher sucht Bigelow Aerospace eifrig nach kommerziellen Unternehmen, mit denen es Versorgungsverträge abschließen kann, sowohl für bemannte, als auch für unbemannte Flüge.

Hotels im All

Die Idee eines Weltraumhotels ist älter als die Raumfahrt selbst. Schon Hermann Oberth und Wernher von Braun, die als Väter der Raumfahrt gelten, schprachen von Hotels im All. Optimistisch wie sie waren sprach von Braun von einer 75 Meter großen Raumstation, die in zehn Jahren gebaut werden könne und 4 Milliarden US-Dollar kosten würde. Dies erwies sich als illusorisch. Bis tatsächlich eine Raumstation vergleichbaren Ausmaßes im All war, sollte es noch 50 Jahre und 100 Milliarden US-Dollar dauern.

Die Bigelow Alpha

Die einzige derzeit wirklich glaubwürdige und fundierte Version eines Weltraumhotels ist die von Bigelow Aerospace. Ihre Raumstation „Bigelow Alpha“ soll bereits 2021 ins All transportiert werden. Sie soll aus mehreren Modulen bestehen, zwei aufblasbaren Wohnmodulen, einem Andockknoten für Raumfahrzeuge, Solarmodule, einen Antrieb und natürlich den angedockten Passagierkapseln bestehen. 2014 begann die Produktion der Module. Wenn die Raumstation erstmal fertig ist sollen auf einem Volumen von 690 Quadratmetern bis zu 12 Passagiere urlauben, aber auch arbeiten und forschen können. Mit SpaceX wurde bereits ein Vertrag über die Versorgung abgeschlossen. So sollen die Passagiere und auch die Module mit einer Falcon 9 starten. Die Crew soll mit einer Dragon Crew fliegen. Zusätzlich soll auch Boeing mit einer Atlas V starten, mit dem Startliner können auch sie Crew transportieren. Ein rentabler Betrieb wird etwa sechs Flüge pro Jahr benötigen.

Eine Falcon 9: Diese Rakete soll die erste Raumstation von Bigelow Aerospace versorgen.

Das soll nicht das Ende sein. Mittelfristig plant Bigelow ein Weltraumhotel aus vier Wohnmodulen, welches bis zu 24 Personen beherbergt. Für die fernere Zukunft ist auch ein Habitat im Mondorbit und auf der Mondoberfläche geplant.

Weltraumhüpfer

Bis tatsächlich ein Weltraumhotel im Erdorbit oder im Mondorbit schwebt wird es wohl noch etwas dauern. Doch der routinemäßige Abstecher ins All wird wohl schon viel früher Realität sein, nämlich vermutlich schon nächstes Jahr. Ich spreche nicht von dem Millionen Euro teueren Urlaub auf der ISS, sondern vom Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic. Virgin Galactic bringt zahlende Kunden mit ihrem Raumschiff an die Grenze des Alls an der sogenannten Kármán-Linie. Man spricht auch vom suborbitalen Raum, da das Raumschiff nicht in einen Orbit eintritt und damit auch keine so hohen Geschwindigkeiten erreichen muss. Ein Trägerflugzeug fliegt bis in eine Höhe von 16 Kilometer. Dort koppelt der eigentliche Raumgleiter ab und fliegt mit einem Raketenantrieb bis in eine Höhe von 100 Kilometern, wo die Passagiere für sechs Minuten die Erde aus dem All sehen und Schwerelosigkeit erleben. Danach geht es sofort wieder zurück zur Erde – eine Art Weltraumhüpfer also.

Das Konzept funktioniert und es gab schon Flüge in den suborbitalen Raum. Regelmäßige Passagierflüge sind ab 2020 vom 2011 eröffneten Weltraumbahnhof Spaceport America geplant. Ticketpreis: 200.000 Euro. Vorerst.

Mond-Tourismus ab 2100?

Sollte Virgin Galactic nächstes Jahr tatsächlich den Betrieb aufnehmen, so wäre das in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Die Ära des kommerziellen Weltraumtourismus wäre eröffnet. Der Blick auf die Erde könnte die Art wie Menschen über unseren Planeten denken verändern. Wie sich der Weltraumtourismus längerfristig entwickelt ist schwer zu sagen. Die Preise von Virgin Galactic für den Weltraumhüpfer werden sicherlich mit der Zeit fallen. Erste Module für Weltraumhotels könnten in den 20ern einsatzbereit und im Orbit sein. Vermutlich wird der Weltraumtourismus sich vor allem im suborbitalen Raum und im Erdorbit abspielen, Plänen, Touristen zum Mond zu bringen ist grundsätzlich mit Vorsicht zu begegnen.

So möchte Elon Musk schon 2023 einen Weltraumtouristen um den Mond bringen – ob es bis dahin eine Rakete geben wird die überhaupt groß genug ist, bleibt jedoch fraglich. Einen regelmäßigen Mond-Tourismus sieht ein 2006 erschienener Report frühestens im Jahr 2100. Die rasante Kommerzialisierung und Privatisierung und die baldige Rückkehr zum Mond dürften diesen Termin wohl beschleunigen. Sicher ist nur eins. Im nächsten Jahr könnten wir dem Traum von der Raumfahrt für jedermann ein großes Stück näher kommen – und Unternehmer dem Traum vom Geld aus dem All.

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