Parker Solar Probe und das Raumfahrt-Jahr 2018

Ein spannendes Raumfahrt-Jahr

Mit einer Mondfinsternis über Deutschland, den spektakulären Perseiden, die mit dem Neumond zusammenfällt, einer Sonde, die das innere des Mars untersuchen soll und dem schnellsten Raumfahrzeug der Menschheitsgeschichte kann das Raumfahrt-Jahr 2018 sich aus astronomischer Sicht sehen lassen. Aber besonders eine interessante Mission steht uns noch bevor: federführend Deutschland und Japan. Mit einem deutschen Kommandanten auf der ISS und dem ersten Start eines bemannten SpaceX-Raumschiffs gibt es auch spannende Events in der bemannten Raumfahrt. Das ist eine Art Rückblick und eine kleine Aussicht auf das, worauf wir uns noch freuen können.

Reise zum Mittelpunkt des Mars

Das ist vielleicht etwas übertrieben. Schließlich wird sich die Raumsonde InSight nur 5 Meter in den Boden des Mars bohren. Seine Instrumente aber sollen weitaus tiefer gucken. Die USA, Deutschland und Frankreich sind an der Mission beteiligt. Sie startete am 05.05.18 und wird den Mars voraussichtlich am 26.11.18 erreichen und auf seiner Oberfläche landen. Es ist das erste Mal, dass die Menschheit sich ins Innere eines fremden Planeten bohrt. InSight ist ganz sicher ein Highlight im diesem Raumfahrt-Jahr, schließlich ist mit SEIS das genaueste Seismometer „der Welt“, wenn man das so sagen kann an Bord von InSight. Eine sehr genaue Beschreibung der Mission verfasste ich allerdings kurz nach ihrem Start. Hier ist ein Link zu diesem Beitrag.

„A Mission to touch the sun“

Das absolute absolute Highlight in diesem Raumfahrt-Jahr ist aber wohl Parker Sofa Probe. Nach mehrfachem Verschieben startete die Sonde am vergangenen Sonntag endlich. Noch in diesem Jahr wird sie bei der Venus ankommen und nach sieben Swing-Bys am Planeten in eine Umlaufbahn um die Sonne kommen, dessen Perihel nur 8,5 Sonnenradien vom Sonnenmittelpunkt entfernt liegt. Damit durchfliegt Parker Solar Probe die Korona, die äußerste Schicht der Sonne. Diese Korona hat eine äußerst merkwürdige Eigenschaft. Sie ist über eine Million Grad Celsius heiß, während die Chromsphäre, also die „Oberfläche“ der Sonne nur 6000°C heiß ist. Wie das sein kann ist nur näherungsweise bekannt. Außerdem soll der Mechanismus der koronalen Massenauswürfe und des Sonnenwindes verstanden werden.

Man erhofft sich eine Art Wettervorhersage für die Sonne, man soll dann die Massenauswürfe voraussagen und die Erde so vor den potentiell fatalen Folgen schützen. Wie fatal diese sein könne zeigt das Carrington-Ereignis 1859. Ein heftiger Sonnensturm, dessen Materie eine Geschwindigkeit von 2000 km/s hatte traf die Erde und sorgte für Polarlichter in Rom, Hawaii und Havanna. In Europa brannten Telegraphenleitungen weg. In der heutigen globalisierten Welt wäre ein solches Ereignis noch schlimmer, mehrere Billionen Euro Schäden würden anfallen. Eine zuverlässige Vorhersage wäre ein Vorteil. Ich denke Parker Solar Probe wird ab 2024, wenn sie ihre endgültige Umlaufbahn erreicht hat noch die ein oder andere Überraschung bringen.

Deutschland und Japan fliegen zum Merkur

Der Merkur ist nach Uranus und Neptun der am wenigsten erforschte Planet des Sonnensystem. Im 21.Jahrhundert hat er noch keinen menschlichen Besuch erhalten. Nur die NASA-Sonden Mariner 10 und MESSENGER flogen bisher zum Merkur. Mariner 10 trat in eine Umlaufbahn um die Sonne ein, auf der sie Merkur regelmäßig trafen. Der Merkur war immer für eine Überraschung gut. Erst entdeckte man ein Magnetfeld, dann fand man heraus, dass 70% der Masse auf seinen Kern entfallen. Messenger entdeckte sogar gefrorenes Wasser am Südpol des Merkurs. Die Sonden kartierten den Planeten komplett und entdeckten einige interessante Eigenschaften an seiner Umlaufbahn. Während er sich zweimal um seine eigene Achse bewegt, bewegt er sich dreimal um die Sonde.

Nun soll Merkur wieder Besuch bekommen. Die Mission BepiColombo, eine Kooperation der ESA, federführend Deutschland und  der JAXA aus Japan soll noch in diesem Jahr zum Merkur fliegen. Sie soll die chemische Zusammensetzung der Oberfläche, die Höhenlage, das Magnetfeld und das Schwerefeld ermittelt werden. Außerdem soll eine wesentlich genauere Karte des Merkurs erstellt werden als es bisher der Fall war. Zusammen mit InSight ist BepiColombo die zweite große Mission dieses Jahres an der das DLR maßgeblich beteiligt ist. Auch für Deutschland ist das Raumfahrt-Jahr 2018 also ein erfolgreiches. Doch nicht nur deswegen.

Raumfahrt-Jahr
Erst zwei Raumsonden besuchten Merkur.

Alexander Gerst auf der ISS

Fast 110 Meter breit und 400 Kilometer über dem Erdboden: Die ISS ist die Sicherung der menschlichen Präsenz im All – und der europäischen, denn viele europäischen Länder, unter anderen Deutschland sind Teil der ISS. Es waren schon einige deutsche Astronauten im All, doch Alexander Gerst ist der erste deutsche Kommandant der ISS. Mit einer Sojus-Kapsel flog er zwei Tage lang zur ISS und wird dort 6 Monate bleiben.

Gerst hat gute Chancen für einen dritten Flug ins All, aber dieses Mal nicht zur ISS. Da die NASA die Orion-Kapsel baut und damit Menschen in eine Mondumlaufbahn, auf den Mond, auf einen Asteroiden und zum Mars schicken wird, hofft Europa einen Platz beim Flug in den Mondorbit ergattern zu können. Deutschland stemmt mit 40% schon jetzt mit Abstand den größten Teil der europäischen ISS-Beteiligung und somit steht es auch beim Mondflieger in der ersten Reihe. Alexander Gerst will auf jeden Fall noch einmal ins All.

 

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