Nobelpreis für Immuntherapie gegen Krebs

Ein Meilenstein in der Krebsforschung

Es ist ein Meilenstein im Kampf gegen Krebs: In den letzten Jahrzehnten wurden die Heilungschancen für die Krankheit immer höher. Immer öfter konnten auch schon weit fortgeschrittene Tumore erfolgreich bekämpft werden. Doch dafür brauchte man bis jetzt noch nukleare Strahlung, Chemotherapie oder Operationen. Die Zeit, in der das die einzigen Möglichkeiten sind ist nun vorbei. Nun ist auch eine Immuntherapie gegen Krebs verfügbar. Zumindest ist der Weg für die flächendeckende Anwendung einer Immuntherapie nun frei. Dafür gibt es dieses Jahr den Nobelpreis.

Diese Entdeckung dürfte im Maßstab von Jahren zu einer Steigerung der durchschnittlichen menschlichen Lebenserwartung führen und wurde dafür mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Die Idee ist genial und mehr als ein Jahrhundert alt: Das eigene Immunsystem zum Kampf gegen Krebs zu aktivieren. Das Phänomen, dass unser Immunsystem Krebs besiegt wurde schon vor Jahrzehnten beobachtet, doch noch nie hat man es geschafft das künstlich zu erreichen und so blieb bis jetzt nur das übliche schwere Geschütz.

Das Immunsystem aktivieren

Die Idee klingt logisch, denn schließlich ist es die einzige Aufgabe des Immunsystems Dinge, die für unseren Körper schlecht sind auszuschalten. Über ein Jahrhundert lang hat man versucht auf dieser Basis eine Immuntherapie gegen Krebs zu entwickeln. Unser Immunsystem erkennt mit unglaublich hoher Genauigkeit, was es zu bekämpfen gilt und was nicht. Grundsätzlich kann das Immunsystem auch Krebszellen erkennen. Allerdings kommt es auf natürlicher Weise nicht zu einem Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen. Das liegt an zwei Proteinen, die die durch den Nobelpreis ausgezeichneten Immunforscher Tasuku Honjo und James Allison entdeckten. Tonjo entdeckte das Protein PD-1, Allison CTLA-4. Diese Proteine fungieren als Bremsen. Damit sich das Immunsystem nicht überarbeitet, verhindern PD-1 und CTLA-4 einen Angriff des Immunsystems. Das ist oft wichtig, denn wenn das Immunsystem hyperaktiv ist, greift es auch eigenes Gewebe an. Die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose ist oft die Folge.

Nobelpreis
Schaltet man die Immunbremsen PD-1 und CTLA-4 mithilfe von Antikörpern aus, so kann man unser natürliches Immunsystem nutzen, um Krebszellen zu zerstören.

Die Immunbremsen bremsen

Die Idee, PD-1 und CTLA-4 bei der Behandlung von Multipler Sklerose einzusetzen war natürlich offensichtlich. Doch Allison dachte im vorletzten Jahrzehnt um: Theoretisch müsste es möglich sein die Wirkung der beiden „Immunbremsen“, wie PD-1 und CTLA-4 genannt werden auszuschalten. Dann würde das Immunsystem die Krebszellen ungebremst angreifen. Die sensationelle Immuntherapie gegen Krebs wäre erreicht. Gesagt, getan. Zuerst wurde eine Therapie an Mäusen getestet. Produkt war das Medikament Ipilimumab, welches die Wirkung von CTLA-4 ausschaltet. In Europa wird das Medikament zu Behandlung fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebses genutzt. Mittlerweile ist der Markt von solchen Medikamenten größer geworden, so gibt es auch Medikamente, die PD-1 bremsen, sodass man die Mittel auch kombinieren kann. Man darf nicht gleich übereuphorisch werden. Die Nebenwirkungen sind auch hier stark. Eine Garantie liefert die derzeitige Immuntherapie nicht. Und noch ist sie auch nicht bei allen Krebsarten wirksam.

Nobelpreis für Immuntherapie

Da die Nebenwirkungen einer Immuntherapie derzeit noch größer sind als die einer Chemotherapie, ist sie momentan noch das Mittel der Wahl gegen Krebs. Doch die Immuntherapie ist deutlich wirkungsstärker, sodass sie auch nach gescheiterten Chemotherapien und gescheiterten Operationen hohe Erfolgschancen verspricht. In den Niederlanden wird die lebensrettende Therapie oft dennoch nicht durchgeführt, da sie sich für das Krankensystem als zu teuer erwies. Dort gilt die Faustregel, dass ein gewonnenes Lebensjahr nicht mehr als 80.000 Euro kosten sollte. Eine solche Begrenzung schließen in Deutschland sowohl die Parteien als auch die Krankenkassen aus.

Weiterentwicklung wird kommen

Noch ist die Immuntherapie nur eine Notlösung. Doch in den kommenden Jahren könnte sie die Chemotherapie ersetzen, schließlich ist sie deutlich leistungsstärker. Dafür müssen die Preise allerdings noch etwas fallen und die Nebenwirkungen milder werden. Eine Kombination aus autonomer Früherkennung und leistungsstarken Therapien könnten den von Krebs befreien. Es gab Zeiten, in der eine schwere Lungenentzündung das Todesurteil war. Es gab Zeiten, in denen gegen Krebs nichts auszurichten war. Krebs war damals eben der natürliche Tod, für mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Mit der Chemotherapie war diese Zeit vorbei. Doch auch sie begann wie die Immuntherapie als sensationelle Entdeckung, aber mit extrem hohen Preisen und noch viel höheren Nebenwirkungen und geringeren Heilungschancen als heute.

Selbst die zerstörerischsten Krebsarten, bei denen Betroffene lange als absolut chancenlos gelten, schaffen es mittlerweile auf Heilungschancen über 20%.  Krebsarten wie Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs oder Prostatakrebs haben Heilungschancen von 80-90%, Tendenz steigend. Durch den Preisverfall der Immuntherapie werden diese Raten weiter ansteigen. Das ist ganz sicher ein sehr verdienter Nobelpreis.

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