Mond-Adventskalender: Europa

6.Dezember: Europa

Monde sind faszinierende Himmelskörper. Sie sind komplett aus Eis, sehen wie Schwämme aus, haben Ozeane unter ihrer Oberfläche oder Seen und Flüsse darauf. Im letzten Jahr gab es den äußerst erfolgreichen Exoplaneten-Adventskalender. Dieses Jahr gibt es laut der Abstimmung, die ich auf Twitter eine Woche liefen lies 24 Monde. 24 Monde im Sonnensystem zu besuchen, ist eine Reise von Vulkanen, die bis fast bis ins Weltall reichen, zu Geysiren, die Wasser ins All schleudern und Ozeanen, die womöglich sogar Leben beherbergen. All das sind Welten, die wir mit Robotern besuchen können und das teilweise auch schon getan haben. Direkt vor unserer kosmischen Haustür gibt es diese exotischen Welten. Also, begeben wir uns auf die abenteuerliche Reise zu 24 außergewöhnlichen Monden unseres Sonnensystems.

Viel Spaß und schöne Adventszeit!

Lassen wir das innere Sonnensystem und den Asteroidengürtel komplett hinter uns und dringen in das äußere Sonnensystem vor. Hier wird es nämlich erst richtig interessant. Im Gegensatz zum inneren Sonnensystem, in dem es ab und an mal einen Mond gibt, sind hier viele und große Monde selbstverständlich. Der erste Planet auf den wir stoßen ist Jupiter. Er ist der Planet mit den meisten Monden im Sonnensystem, es sind insgesamt 79. Mein persönlicher Lieblingsmond im Sonnensystem ist unter ihnen – und auch der, der meisten Astronomen.

Name: Europa

Zentralkörper: Jupiter

Entfernung zum Zentralkörper: 671.100 Kilometer

Umlauf um Zentralkörper: 3,55 Tage

Durchmesser: 3121,6 Kilometer

Besucht von: Galileo, Pioneer 10 & 11 , Voyager 1 & 2, Europa Clipper (geplant), JUICE (geplant)

Besonderheiten: Unterirdischer Ozean aus flüssigem Wasser, zugefrorene Flüsse aus Wassereis

Eine Oase des Sonnensystems

Eine der grundlegenden Ziele der Astronomie ist es, im Universum Leben außerhalb der Erde zu finden. Normalerweise sucht man es auf Exoplaneten, die viele Lichtjahre weit weg sind. Doch es lohnt sich auch, ein Blick auf unser Sonnensystem zu werfen. Auf der Venus und dem Mars (vom Merkur ganz zu schweigen) sind sich die meisten Wissenschaftler einig, dass zumindest heute dort kein Leben mehr existiert. Normalerweise sind das die Planeten, die in der habitablen Zone liegen, also der Zone um einen Stern, in der die Temperaturen für Leben, wie wir es kennen günstig sind. Doch der vielversprechendste Kandidat für Leben im Sonnensystem ist ein Mond des Jupiters namens Europa.

Jupiter liegt außerhalb der habitablen Zone. Hier ist es also eigentlich zu kalt für Leben. Die Oberflächentemperatur Europas liegt auch bei frostigen -171 °C. Das bedeutet, dass Europa von einer dicken Eisschicht überzogen ist, was die spektakulären Bilder der Raumsonden, die Jupiter besuchten bestätigten. Da Europa ein Mond des Jupiters ist, umkreist er ihn natürlich. Doch er tut das nicht auf einer kreisförmigen Umlaufbahn.

Ein Ozean in Europa

Der Orbit Europas ähnelt viel mehr einer Ellipse, sodass er Jupiter mal sehr nahe kommt, um sich dann wieder stärker von ihm zu entfernen. Die Gravitationskräfte Jupiters sorgen so dafür, dass Europa wie ein Teigklumpen durchgeknetet wird, abwechselt gedehnt und gestaucht. Durch diesen Prozess entsteht Reibungshitze, die wiederum stark genug ist, um die Unterseite des Eismantels zum Schmelzen zu bringen. So befindet sich unter der Oberfläche Europas ein Ozean aus flüssigem Wasser. Dies ließ sich auch durch Raumsonden nachweisen. Die Fotos von Europa zeigen jedoch noch ein spannendes Detail. Die gesamte Oberfläche ist von Rissen übersät. Diese Risse sin eine direkte Verbindung ins Innere Europas. Tut sich durch die Gravitationskräfte ein Riss in der Oberfläche auf, so wird er mit Wasser des Ozeans gefüllt, welches an der Oberfläche gefriert.

Die Suche nach Leben

Daher böte es sich an, auf Europa zu landen. Um den Ozean zu untersuchen, müsste man demnach nicht die dicke Eisschicht durchbrechen, um in ihm zu schwimmen, sondern nur das Eis, welches aus ihm aufgestiegen ist. Doch noch fehlen uns viele Details. Wir wissen nicht, wie tief der Ozean ist und wie tief er unter der Oberfläche liegt. Vermutlich enthält der Ozean Salz, das zeigten schon Analysen früherer Sonden, doch der Salzgehalt ist noch völlig unbekannt. Allgemein ist die Zusammensetzung des Ozeans noch ein Rätsel, doch die Umweltbedingungen sind vielversprechend. Um die vielen Details zu lüften und nun endlich zu beweisen oder auszuschließen, dass in unserem Sonnensystem Leben existiert, plant die NASA eine Mission zu Europa. Europa Clipper, so ihr Name soll 2022 als erste wissenschaftliche Mission des neuen Raketensystems Space Launch System, welches auch Menschen zum Mond und zum Mars bringen soll starten. Falls die Mission nahelegt, das Leben im Ozean Europas wahrscheinlich ist, so plant die NASA in den Jahren danach eine Mission mit einem Lander und einem kleinen U-Boot, welches im Ozean schwimmt. Das wird spannend, da Berechnungen ergaben, dass Europas Ozean genug Sauerstoff enthalten müsste, um sogar höhere Lebewesen wie Fische zu beherbergen.

Ein Bohrer soll aus dem All auf die Oberfläche geschossen werden und ein Loch in die Eiskruste Europas bohren. Es wird überlegt, einen solchen Bohrer sogar schon 2022 mit Europa Clipper zu führen. Das DLR arbeitet Beispielsweise an einem solchen Gerät.

Der interessanteste Körper des Sonnensystems

Europa ist nach der Erde vielleicht der spannendste Himmelskörper unseres Sonnensystems. Sicher wird die Mission zu ihm noch einige Sensationen an den Tag bringen. Vielleicht wird Europa und sogar eine der größten Fragen der Menschheit beantworten und unsere Sicht auf uns und das Universum, in dem wir leben für immer verändern. Denn das hat er schon einmal getan. Als Galileo die galileischen Monde Ganymed, Callisto, Io und Europa entdeckte, war das nämlich das Ende für das damals herrschende Weltbild mit der Erde im Zentrum des Universums, denn diese vier Monde waren die ersten Körper, bei denen man zweifelsfrei bewies, dass sie nicht um die Erde kreisen. So könnte Europa unser Weltbild bald ein zweites Mal ins Wanken bringen.

Hier eine Simulation des Jupiter-Systems mit den Monden Europa, Io und Ganymed

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