Sonnensegel

Mit dem Sonnensegel zum Asteroiden

Besuch bei den Erdbahnkreuzern

Erdnahe Asteroiden sind faszinierende Himmelskörper. Oft nur weniger Meter groß, nur einen kosmischen Katzensprung entfernt und dennoch so gut wie unerforscht. Dies soll sich schon nächstes Jahr ändern. Denn 2020 wird eine Rakete ein Orion-Raumschiff zum Mond bringen, ein unbemannter Testflug als Vorbereitung für zukünftige bemannte Missionen zum Mond. An Bord der Rakete sind jedoch einige Sekundärnutzlasten, die die Mitfahrgelegenheit zum Mond ausnutzen wollen. Das sind kleine Satelliten, sogenannte CubeSats. Diese Satelliten sind nur so groß wie eine Milchpackung und extrem kostengünstig und können trotzdem effiziente Forschung betreiben. Eine ganze Welle aus CubeSats soll 2020 bei diesem Raketenstart ausgestoßen werden. Einer davon ist der sogenannte NEA Scout. Das ist ein Mini-Raumschiff, der zu einem erdnahen Asteroiden fliegen und ihn erforschen soll. Als Antrieb nutzt er dabei eine innovative neue Technologie.

Raketenstufe, Raumsonde, Felsbrocken?

Der NEA Scout wird nur wenige Kilogramm wiegen und während des Starts zusammen mit vielen anderen CubeSats an der Innenseite einer Raketenstufe hängen. Im All sollen sie mithilfe einer Feder von der Stufe getrennt werden und danach unabhängig durchs All fliegen. Bis die Sonde ihr Ziel erreicht, werden zwei Jahre vergehen. Das Ziel ist 1991VG, ein nur 10-20 Meter großer Felsbrocken. In Vergangenheit hatte er schon häufig heftige Spekulationen angeregt. Zunächst vermutete man, es handele sich um eine ausgebrannte Raketenstufe der Apollo-Missionen, das konnte jedoch widerlegt werden. Der Astronom Duncan Steel geht sogar davon aus, dass es sich um eine Raumsonde einer außerirdischen Zivilisation handele. Die Wahrheit sieht vermutlich nicht ganz so spektakulär, aber wissenschaftlich auch interessant aus. Vermutlich wurde 1991VG bei einem heftigen Asteroideneinschlag auf dem Mond entstanden, wobei er aus der Oberfläche gerissen wurde. Wenn NEA Scout 1991VG 2023 erreicht, wird sie dieses Rätsel endgültig lösen.

Missionskonzept

Sobald NEA Scout die Umgebung des Mondes erreicht hat wird sie kleine Mengen Gas ausstoßen, um sich aus seinem Schwerefeld in den interplanetaren Raum zu lösen. Dann nutzt sie für die weite Reise zu 1991VG ein sogenanntes Sonnensegel. Alleine die Strahlung der Sonne, der sogenannte Sonnenwind wird die Raumsonde dann durch unser Sonnensystem befördern, wie einst der Wind die Entdecker zu neuen Kontinenten brachte. Vor Ort wird NEA Scout dann hochauflösende Messungen machen. 10 Zentimeter werden einem Pixel entsprechen. Damit wird eine komplett neue Klasse von Asteroiden, mit einem komplett neuen Antrieb und einer komplett neuen Genauigkeit erforscht werden.

Nutzen der Mission

Für eine kleine und günstige Mission sind die Erwartungen hoch. Zum einen wird sie sicher detaillierte Informationen über erdnahe Asteroiden sammeln und zum anderen wohl endlich die Herkunft von 1991VG klären. Erdnahe Asteroiden sind für uns aus mehreren Perspektiven interessant. Erstens sind sie nur wenige Millionen Kilometer von der Erde entfernt, was sie relativ einfach zu erreiche macht, zweitens gibt es schon vermehrt Pläne für bemannte Flüge zu erdnahen Asteroiden und drittens gehören die Asteroiden dieser Gruppe auch zu denen, die uns potentiell gefährlich werden könnten. Auch das Sonnensegel wird damit weiterentwickelt. Der Antrieb eignete sich sogar für Flüge zum Merkur oder zum Uranus. Einige Menschen gehen noch weiter. Auch für Missionen zu anderen Sternen wird das Sonnensegel als derzeit einzige Möglichkeit gehandelt. Und wer weiß, vielleicht wird das Sonnensegel in einigen Jahrzehnten ja schon Raumsonden in fremde Sonnensysteme bringen.

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