ISS

Menschen im All: Lohnt sich die ISS?

Aufbau im All

Ein Artikel über die Internationale Raumstation ISS ist eigentlich schon lange überfällig. Wohl kein Thema wird in der Raumfahrt so kontrovers diskutiert wie der Betrieb der ISS. 1980 begann alles. Die Menschheit wollte erstmals eine gemeinsame dauerhaft bewohnte Siedlung im All errichten. Aufgrund der explodierenden Kosten konnten auch die USA das Projekt nicht alleine durchführen. elf Staaten Europas, darunter auch Deutschland, Japan, Kanada und später auch Russland schlossen sich dem Projekt an. 1998 begann dann der Zusammenbau der Raumstation im Erdorbit. Nach dem ersten Start sah die Station so aus. Stück für Stück schoss man Teile der Raumstation ins All und montierte sie. So wuchs und wuchs die Raumstation. Mittlerweile hat sie eine Spannweite von über 110 Metern erreicht und sieht etwa so aus.

ISS
Die ISS kurz nach Baubeginn 1998.

Raumschiffe aus aller Welt können andocken

Verschiedene Raumschiffe können an die ISS andocken und Fracht und Menschen bringen. Zum einen die russische Sojus-Kapsel, die bisher (Stand: Dezember 2018) alle Menschen zur Station bringt. Aber auch unbemannte Raumfrachter können andocken, zum Beispiel der russische Progress-Frachter, der Nahrung und Treibstoff transportiert, das europäische ATV, das japanische HTV und SpaceX´s Dragon-Kapseln. Bisher fliegen nur unbemannte Dragon-Kapseln zur ISS, doch 2019 soll SpaceX mit seinem neuen bemannten Raumschiff, der Dragon V2 auch Menschen zur ISS transportieren. Das erste mal, dass Menschen mit amerikanischen Raumschiffen fliegen, seit dem Ende des Shuttle-Programms. Auch der Dream Chaser, an dem sich die ESA beteiligen möchte, könnte die Station zukünftig anfliegen.

Die Module

Die ISS besteht aus vielen Modulen, die man einzeln ins All schoss. Hier einige der wichtigsten Module

Sarja

Das russische Sarja-Modul ist das erste Modul der ISS und wurde beim Baubeginn 1998 ins All geschossen. Am Anfang war es für die gesamte Stromversorgung uns für alle Lebenserhaltungssysteme zuständig. Mittlerweile wurden diese Aufgaben von neueren, modernen Modulen übernommen. Primär ist Sarja heute ein Treibstofflager.

Destiny

Destiny ist ein amerikanisches Forschungsmodul. Hier werden Experimente zur Mikrogravitation, Biologie, Ökologie, Astronomie und Technologie durchgeführt. Außerdem gibt es ein großes Fenster zur Erdbeobachtung.

Columbus 

Columbus ist ein europäisches Modul. Der Bau erfolgte in Bremen. Interessierte können das Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München besuchen. Columbus ist ein reines Forschungsmodul. Verschiedene, vor allem biologische Experimente werden hier in Mikrogravitation durchgeführt.

BEAM

BEAM (Bigelow Expandable Activity Module) ist ein kommerzielles aufblasbares Modul der ISS, welches von der Firma Bigelow entwickelt wurde. Ziel ist es, schon bald das erste Weltraumhotel, eine private Raumstation ins All zu schießen. Dafür wird das Modul gerade auf der ISS getestet. Es wird auf Strahlensicherheit, Sicherheit gegen Mikrometeoriten und Weltraumschrott und Belastbarkeit getestet. Bigelow möchte ein zweites Modul als Beginn des Baus der kommerziellen Raumstation ins All schießen.

Swesda

Swesda ist ein russisches Wohnmodul. Dort befinden sich Duschen, Toilette und Schlafkabine. Außerdem befindet sich im Modul die Luftschleuse, durch die Astronauten einen Weltraumspaziergang unternehmen können, eine Andockstation für ankommende Raumschiffe und einige Solarzellen.

Canadarm2

Canadarm2 ist ein kanadischer Roboterarm, der an der ISS montiert ist. Mit ihm werden Anlagen bedient, Reparaturen und Wartungen vorgenommen. Gesteuert wird er von den Astronauten im inneren der Station. Er ist auch für den Zusammenbau der Station und neue Module zuständig.

ISS
Canadarm2

Kibo

Kibo ist ein japanisches Modul und das größte Modul der ISS, vier Astronauten können sich gleichzeitig darin aufhalten. Es ist ein Wissenschaftsmodul. Schwerpunkt der hier durchgeführten Experimente ist die Weltraummedizin, aber auch die Materialwissenschaft und die Biologie.

Wie viel kostete die Station?

Wie hoch die Kosten der ISS liegen, ist umstritten. Sicher ist, dass es die teuerste Maschine in der Geschichte der Menschheit ist. Zunächst sollten es 40 Milliarden Dollar sein, mittlerweile belaufen sich die Schätzungen jedoch auf 100 Milliarden Dollar. 8 Milliarden davon übernimmt die ESA. Deutschland bezahlt 41% des europäischen Beitrages zur ISS, die Schweiz 2,5 und Österreich etwa 0,4%. 100 Milliarden Dollar hört sich zwar nach viel an, doch obwohl Deutschland den größten europäischen Anteil an der ISS hat, kostet sie den Deutschen Steuerzahler jährlich 2,50 Euro. Ich habe kein Verständnis für Menschen, denen das zu viel ist. Allgemein ist die Stimmung für die ISS in Europa noch relativ gut. In den USA und Russland sind kritische Stimmen lauter. Wer mehr über die Kosten der Raumfahrt für den Deutschen Steuerzahler wissen möchte, kann sich diesen Artikel durchlesen.

Langzeitaufenthalte im All

Dennoch verdanken wir der ISS einiges. Das erste mal leben Menschen dauerhaft im All. Als die ersten Raumfahrer ins All flogen, wussten wir nicht, ob Menschen im All überhaupt prinzipiell überleben können. Als Juri Gagarin als erster Mensch ins All flog, rechnete man ihm lediglich eine Überlebenschance von 50% aus. Doch auch nachdem klar war, dass ein Mensch prinzipiell ins All fliegen kann, stand immer noch eine Fragezeichen hinter der Frage, ob ein Mensch auch im All leben kann. Diese Frage beantworteten uns erst die halbjährigen Aufenthalte auf der ISS. Sie bewiesen, dass Menschen prinzipiell in der Lage sind, das Sonnensystem zu kolonisieren. Menschen können im All essen, schlafen und atmen. Durch die ISS wissen wir, dass wir zum Mars und noch weiter fliegen können. Doch noch viel mehr.

Praktischer Nutzen

Insgesamt wurden seit 2001 ungefähr 900 Experimente aus 63 Ländern durchgeführt. Es geht um Materialwissenschaft, also darum, wie wir aus der Erde umweltfreundlicher und besser bauen können, um Klimatologie, also darum, dass wir bessere Wettervorhersagen haben, usw. Und auch weniger einsichtliche Dinge sind dafür oft noch spektakulärer. Ein Cygnus-Raumfrachter brachte beispielsweise ein Experiment zur ISS, welches den kältesten Ort des Universums erzeugt hat. Atome wurden auf Milliardstel Grad über den absoluten Nullpunkt gekühlt. Das wiederum könnte eines Tages helfen, Strom über weite Strecken verlustfrei zu transportieren.

Gesellschaftlicher Nutzen

Abgesehen davon übt es auf jeden Menschen eine Faszination auf, wenn er am Himmel die ISS als schnellen hellen Punkt sieht und man weiß, dass gerade Menschen dort oben leben. Und es ist ein Beweis dafür, was die Menschheit schaffen kann, wenn sie ihre Kräfte bündelt, zusammenarbeitet und kooperiert. Videos wie Alexander Gersts Botschaft an seine Enkelkinder, während in der Cupola (Aussichtskuppel der ISS) hinter ihm die Erde zu sehen ist oder Musikvideos zu Weihnachten, die wir von der ISS sehen haben schon seinen Wert für sich, auch in Zeiten, in denen scheinbar Nationalismus führend ist.

Wie geht es weiter?

Nationalismus, ein gutes Stichwort. Wie geht es weiter mit der ISS? Die USA, Russland und Europa einigten sich darauf, die Station noch bis 2024 zu betreiben. Schließlich gibt es noch einige Versuche, die man auf der ISS machen möchte, beispielsweise zur Reinigung des Orbits von Weltraumschrott oder zum Kälteschlaf für längere Raumreisen, über den ich schon mal schrieb. Außerdem sollen ab 2020 wieder regelmäßig Weltraumtouristen die Station besuchen. Auch das kann der NASA nochmal Gelder einbringen und den Markt des Weltraumtourismus wieder aufmischen.

Zurück zum Mond

Der Erdorbit ist jedoch generell ausgeschöpft. Das nächste Jahrzehnt möchten die Raumfahrtorganisationen dem Mond widmen. Bis 2024 wird man die Raumstation also als Trainingsgelände für Flüge zum Mond nutzen. Doch auch beim geplanten Flug zum Mond wird das Prinzip der ISS gewahrt. Es geht darum, dass Menschen langfristig im All leben. Daher wird eine Station namens LOP-G (Lunar Orbital Platform – Gateway) bauen, die den Mond umkreist. Wie in der ISS sollen hier Raumfahrer aus verschiedensten Ländern Monate lang zusammen leben.

Doch statt 400 Kilometer von der Erde entfernt, 400.000 Kilometer. Nicht nur, dass es ein großen Unterschied macht, ob ein Astronaut die Erde als großes Halbrund oder als kleinen Punkt sieht, denn es gibt Dinge die man auf der ISS einfach nicht testen kann. Wenn man weiter hinaus ins Sonnensystem möchte, muss man sich beispielsweise dem Problem der kosmischen Strahlung annehmen. Da sich die ISS jedoch innerhalb des Erdmagnetfeldes befindet, kann man diesen Parameter überhaupt nicht testen. Das LOP-G wird im sogenannten Deep Space errichtet, also jener Raumregion, die fast gänzlich frei von irdischem Einfluss ist. Die Erde wird für die Astronauten im LOP-G nicht mehr sein als eine kleine blaue Kugel.

ISS
Das neue Raumschiff Orion soll tiefer ins All vordringen und Menschen auch zur neuen Raumstation LOP-G bringen.

In etwa so könnte diese neue Raumstation aussehen. Auch hier beteiligen sich verschiedene Nationen: USA, Europa, Japan, Kanada, Russland und sogar Länder wie Australien und Brasilien wollen an diesem Projekt teilnehmen. 2024 möchte man wieder auf dem Mond landen, 2028 soll dort ein Habitat platziert werden. Es ist zweifelhaft, dass die NASA dann noch genug Budget für den Weiterbetrieb der Station hat. Hier wird der Mensch lernen, dauerhaft fernab der Erde zu existieren, was für spätere Flüge tief ins Sonnensystem von elementarer Bedeutung sein wird.

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.