K2-18b

K2-18b: Weder super, noch Erde

Wasser auf K2-18b: Wohl kaum ein wissenschaftliches Thema hat es weiter in die Populärkultur geschafft als außerirdisches Leben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass fast jede Laie irgendwann auf das Thema zu sprechen kommt, wenn es um Wissenschaft geht und meist auch schon eine fundierte Expertise dazu abgeben kann. So war Tabbys Stern als „Alien-Stern“ in den Nachrichten, als er seltsame Verdunklungen zeigte, auch ein See auf dem Mars, den die europäische Raumsonde Mars Express im letzten Jahr entdeckt hat brachte es in die Schlagzeilen. Wenigstens letzteres ist verständlich, schließlich ist der Mars unser direkter Nachbarplanet und flüssiges Wasser auf einem anderen Planeten immer eine Sensation.

Wasserdampf entdeckt

Nun ging es jedoch um einen Planet außerhalb des Sonnensystems, einen sogenannten Exoplaneten. Aus den Daten des Hubble-Weltraumteleskops haben Wissenschaftler jetzt Wasserdampf in der Atmosphäre des 110 Lichtjahre entfernten Planeten K2-18b, der schon seit vier Jahren bekannt ist und als potentiell lebensfreundlicher Planet klassifiziert wurde. Er umkreist einen Roten Zwerg, einen kleinen, kühlen, aber sehr langlebigen und aktiven Stern. Es handelt sich um den ersten zweifelsfreien Nachweis von Wasser außerhalb unseres Sonnensystems. Gewonnen haben wie daraus nun eine erneute Bestätigung der fast schon banalen Tatsache, dass unser Sonnensystem nichts Besonderes im Universum ist.

Doch was einige daraus machen war fast schon absurd. So wurde K2-18b als Supererde, Wasserwelt und lebensfreundlichster Planet, den wir derzeit kennen bezeichnet. Unsinn!

Weit weg und uninteressant

Zunächst ist K2-18b schon dadurch nicht der lebensfreundlichste Planet den wir kennen, da einen Zwergstern umkreist. Rote Zwerge, stoßen gefährliche Mengen an Strahlung aus. Gibt es also Lebensformen auf einem Planeten, der einen Roten Zwerg umkreist, müssen diese einen natürlichen Schutz gegen die Strahlung haben. Und die Atmosphäre des Planeten dürfte nicht viel lebensfreundlicher sein als die der Venus. Sie besteht vor allem aus Wasserstoff und Helium mit kleinen Anteilen an Wasserdampf, die vielleicht kondensieren, doch schon vor ihrer Ankunft im Innern des Planeten verdampfen – für außerirdisches Leben also komplett uninteressant.

Sub-Neptune

Das innere des Planeten. Ja, K2-18b hat vermutlich nicht einmal eine feste Oberfläche, sondern besteht nur aus Gasen und womöglich einem festen Kern. Die Grenze zwischen großen Gesteinsplaneten und Sub-Neptunen wurde bei 10 Erdmassen gelegt, doch diese Grenze hat wenig wissenschaftliches Belangen. Sie wurde eher willkürlich gelegt und wird nun genutzt, um sich Beobachtungszeiten an hart umkämpften Weltraumteleskopen wie Hubble zu sichern. Und diese willkürliche Kategorisierung entscheidet anscheinend nicht nur über Arbeitszeiten am Weltraumteleskop, sondern auch über die öffentliche Berichterstattung. Denn Leben kann es auf einem Sub-Neptun sowieso nur sehr eingeschränkt geben, schließlich gibt es keine Oberfläche.

Häufig und gewöhnlich

Solche Sub-Neptune sind vermutlich die häufigste Planetenklasse im Universum und somit alles andere als ungewöhnlich. Ob es nun Spuren von Ammoniak oder eben von Wasserdampf in der Atmosphäre gibt, ist nun auch nicht so relevant. Denn der Wasseranteil könnte auch bei nur 0,1% liegen – und eben in gasförmiger Form. In vielen Atmosphären solcher Planeten könnten auch Spuren von Wasserdampf enthalten sein. Doch nicht nur aus diesem Grund ist der Hype ungerechtfertigt, denn selbst ein größerer Wasseranteil wäre keine so große Überraschung für die Wissenschaft.

An vielen Orten vorhanden

Wasser in den Weiten des Alls ist nämlich noch nicht mal etwas Besonderes. Es gibt Kryovulkanismus, wo Wassereis in großen Mengen in all gespien wird, es gibt Wasser auf Kometen und Asteroiden und auch auf dem Mars, sogar flüssig. All diese Orte können wir mit Raumsonden und in absehbarer Zeit vielleicht auch bemannt erforschen. Doch Wasser, noch nicht einmal flüssiges, in 110 Lichtjahren Entfernung scheint dagegen fast schon langweilig.

Andere Prioritäten

Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich glaube, dass wir große Chancen haben, außerirdisches Leben in den nächsten Jahrzehnten zu entdecken. Doch wir müssen realistisch bleiben: Dies wird nicht dadurch passieren, dass wir Raumsonden zu 110 Lichtjahre entfernten Planeten schicken, sondern durch das Entsenden von Raumsonden zu Zielen in unserem Sonnensystem oder das Entdecken von Biosignaturen, das sind Stoffe in der Atmosphäre von Planeten, die durch biologische Aktivitäten entstehen, etwa Sauerstoff und Methan. Darauf sollten wir den Fokus legen. Und wir sollten den Fokus auf wissenschaftliche Erkenntnisse legen – und nicht auf bürokratische oder wirtschaftliche Hürden.

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

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