Gedächtnismanipulation bei Mäusen funktioniert

Gedächtnismanipulation: Neuronen an- und ausschalten

Gedächtnismanipulation: Hattet ihr schon einmal ein Erlebnis, welches ihr am liebsten ausradieren würdet, welches euch noch Jahre lang begleitet und welches euch an nichts anderes denken lässt? Für eine Maus in einem Labor gehört diese Zeit jetzt der Vergangenheit an. Denn erstmals haben es Forscher geschafft, Erinnerungen im Hirn zu lokalisieren und mit einem Lasersystem gezielt an und auszuschalten. Gedankenmanipulation bei Säugetieren ist ein großer Schritt für die Medizin – ein Schritt in Richtung einer Zukunft, in der wir unser Hirn selbst steuern können und schlechte Gedanken aus unserem Kopf löschen können. Doch es gibt medizinische und ethische Probleme bei diesem Verfahren.

Gedächtnismanipulation
Erstmals konnte man gezielt die Gedanken von
Säugetieren manipulieren.

Eine vielversprechende Technologie

Die Gedächtnismanipulation wurde schon oft aufgegriffen, auch in Filmen, wie zum Beispiel „Vergiss mein nicht!“ aus dem Jahr 2004. Heute sind wir weiter, so weit, dass wir dieses Verfahren anwenden können, und zwar sogar bei Säugetieren. Genauer gesagt bei Mäusen, einer Art der dem Menschen neurochemisch mit am nächsten steht. So könnte man dieses Verfahren in naher Zukunft auch bei Menschen anwenden. Womöglich haben wir die Technologie dazu sogar schon, doch es ist wie mit dem Klonen – Ethik ist in der Medizin das Unbekannte. Forscher vom molekularbiologischen Institut der University of Berkeley beschrieben diese Methode erst dieses Jahr. Quasi per Fernbedinung werden Neuronen aus und angeschaltet und so Erinnerungen gezielt aus dem Hirn gelöscht. Diese Operation wurde erfolgreich bei Mäusen vorgenommen. Die Tiere hatten die Erinnerungen vergessen.

Physikalische und biologische Sensation

Diese Technologie ist nur durch erhebliche Fortschritte in der Physik und der Biologie der letzten Jahre möglich. Der Mechanismus funktioniert über ein Laser der von einem Computerprogramm gesteuert wird, welches mit Holographie arbeitet. Dieses holographische Programm fokussiert den Laser auf eine Gruppe von Neuronen, die dadurch samt aller in ihnen steckenden Erinnerungen deaktiviert werden. Die Methode beschädigt keine umliegenden Neuronen, sondern nur die wirklich fokussierten. Schon seit einigen Jahren kann man Erinnerungen auf die betreffenden Neuronen reduzieren und sie perfekt lokalisieren. Gehirnzellen leuchten auf, wenn sie aktiv werden, was an chemischen Prozessen liegt. So kann man Erinnerungen, etwas was man immer für immateriell gehalten hat, nun auf etwas materielles lokalisieren und reduzieren. Doch, dass man diese lokalisierten Neuronen gezielt deaktivieren kann, ist eine neue Technologie.

Es gibt noch Hürden

Gedächtnismanipulation katapultiert die Neurobiologie in ein neues Zeitalter. Diese Technik ist ganz klar bahnbrechend. Doch es gibt noch Hürden zu überwinden, bis man diese Technologie beim Menschen anwenden kann. Da der Mensch ein sehr viel größeres Gehirn hat als eine Maus, liegen manche Neuronen viel weiter vom Laser entfernt als bei einer Maus. So wäre es momentan noch nicht möglich Neuronen in besonders tiefen Regionen des Hirns zu treffen. Außerdem ist auch die Lokalisierung der Gedanken bei Menschen ein schwierigeres Unterfangen, da hierzu eine Öffnung der Schädeldecke nötig ist. Vor der Anwendung bei Menschen wird es allerdings noch weitere Laborversuche geben, da die Langzeitfolgen noch komplett unbekannt sind.

 

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

2 Gedanken zu „Gedächtnismanipulation bei Mäusen funktioniert&8220;

  1. Hallo Jason,

    ein sehr interessanter Artikel. Wie immer verständlich geschrieben.
    Aber eine Sache habe ich noch nicht ganz kapiert: werden die Erinnerungen komplett gelöscht oder kann man sie „an und ausschalten“? Also „wegmachen“ wenn man sie nicht braucht, und wiederholen, wenn man sie dann doch nutzen möchte?

    LG aus Leverkusen
    Marius

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