Titan

Es geht wieder zum Titan!

Wir alle müssen im Leben Entscheidungen treffen. Der NASA geht das nicht anders. Auch sie muss entscheiden, was sie mit dem Geld macht, was sie bekommt und wie sie Prioritäten setzt. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Bemannte Raumfahrt und unbemannte Raumfahrt, Missionen zum Mars und zum Merkur, Erdbeobachtungsmissionen oder Raumsonden, die in die Tiefen des Alls fliegen sollen. Eine große Entscheidung hat die NASA nun getroffen. Nämlich die über die vierte Mission des New-Frontiers-Programms. Es soll wieder zum Saturmond Titan gehen.

Discovery, New Frontiers, Flagship

Die NASA teilt ihre unbemannten Wissenschaftsmissionen in drei Programme ein. Das günstige Discovery-Programm setzt auf einfach zu erreichende Ziele, simple Technik und eine maximale wissenschaftliche Ausbeute. Das teure Flagship-Programm umfasst die großen Missionen, die häufig mehrere Milliarden US-Dollar kosten. Dazu gehören Missionen wie der Marsrover Curiosity, die Saturnsonde Cassini oder die interstellaren Raumsonden Voyager 1 und 2. In Zukunft ist dort ein Mars-Hubschrauber für 2020, eine Sonde, die den Ozean des Jupitermondes Europa erforscht und eine Raumsonde, die in die Atmosphäre des Uranus eintauchen wird.

Dann gibt es jedoch noch das dritte Programm, zwischen günstigen Discovery-Missionen und teuren Flagship-Missionen. Das ist das sogenannte New Frontiers-Programm, das von Präsident Kennedys Motto „Neue Grenzen“ inspiriert wurde. Bisher machte es seinem Namen alle Ehre. Die äußerst erfolgreiche Mission New Horizons, die Pluto und den Kuipergürtel erforscht, die Jupitersonde Juno und die Mission Osiris-Rex, die Gesteinsproben von einem Asteroiden zur Erde bringt gehören bisher in diese Programm. Eine lange Zeit tüftelte die NASA an der vierten Mission des Programms.

Das Auswahlverfahren

Zunächst waren die Vorschläge vielfältig. Eine Mission zur Venus eine Probenrückführung vom Südpol des Mondes,  eine Probenrückführung von einem Kometen und eine Drohne, die den Saturnmond Titan erforschen soll wurden in Erwägung gezogen. 2017 standen sich dann noch zwei Missionen als Finalisten gegenüber: Die Kometen-Mission namens CAESAR und die Titan-Mission namens Dragonfly. Beide Missionen bekamen Millionen Dollar Fördergelder, um ihr Konzept auszuarbeiten. Die NASA gab bekannt, die Entscheidung Anfang 2019 zu fällen. CAESAR sollte den schon bekannten Kometen Tschuri erforschen und Proben zur Erde bringen. Dragonfly legte den Fokus auf Astrobiologie. Die Ozeane des Titan sollen nach Vorstufen von Leben durchsucht werden.

Wer Ahnung von Planetologie hat wird nun sagen: „Biologie, Ozeane? War Titan nicht der Mond, der 10-mal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde und auf dem es mal schnell -179°C werden können?“ Ja, genau der. Wasser ist bei diesen Temperaturen fest,  schließlich gefriert Wasser bei 0°C. Methan aber gefriert erst bei  -182°C. Auf der Oberfläche des Titans gibt es also Seen, Meere, Flüsse, Fälle, Quellen und Buchten aus flüssigem Methan. Wenn man vor einem solchen See stehen würde, dann wäre er glasklar und man könnte viele Meter tief schauen.

Leben auf Titan?

Der Wasserkreislauf funktioniert also auf dem Titan auch mit Methan. Der Stoffwechsel auch? Lange hielt man Leben in diesen Ozeanen durchaus für möglich. Dann geriet die Theorie jedoch wegen verschiedenen chemischen Studien in Verruf und man schloss wirkliches Leben aus, Vorstufen hielt man jedoch weiterhin für möglich. Doch die Auswertung der Daten der Flagship-Mission Cassini, die einen Lander auf dem Titan platzierte zeigten uns nochmal wie ähnlich Titan der Erde ist. Man hat herausgefunden, dass es sogar Karstlandschaften dort gibt! Heute lässt NASA-Chef Bridenstine optimistische Töne schlagen: „Diese mysteriöse Ozean-Welt zu besuchen könnte unser Wissen über Leben im Universum revolutionieren. Die geplante Mission wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Doch jetzt sind wie bereit.“

Missionskonzept

Dragonfly soll eine Drohne sein, die von einer Raumsonde zum Saturn geschickt wird. 2026 soll die Raumsonde starten. Nach einem fast neunjährigen Flug soll sie 2034 den über eine Milliarden Kilometer entfernten Saturn erreichen. Dann soll eine Abstiegsstufe sich von der Sonde trennen und zum Titan fliegen. Kurz vor erreichen des Bodens trennt sich die Drohne und fliegt los. Insgesamt soll sie zweieinhalb Jahre forschen und viele verschiedene Orte anfliegen. Insgesamt soll sie so 175 Kilometer auf der Oberfläche zurücklegen. Man sucht an verschiedenen vielversprechenden Orten nach organischen Molekülen, die sich zu komplexeren Strukturen verbunden haben – Vorstufen von Leben, vielleicht sogar Mikroorganismen.

Was würde es bedeuten, sollte Dragonfly vergleichbares finden. Es wäre viel mehr als die Entdeckung von Leben auf einem Saturnmond. Es gibt alleine in unserer Galaxis 300 Milliarden Sterne. Vermutlich haben fast alle Planeten. Der einzige Grund wieso wir noch nicht sicher sagen können, ob es außerirdisches Leben gibt, ist, dass wir nicht wissen, wie wahrscheinlich es ist, das Leben entsteht. Die Bedingungen für Leben sind an vielen Orten im Universum gegeben, das haben uns die letzten 50 Jahre Forschung gezeigt.

Doch es kann ja sein, dass zur Entstehung von Leben nicht nur die richtigen Bedingungen nötig sind, sondern auch ein besonderer Zufall oder ein anderes singuläres Ereignis. Das könnte bedeuten, dass wir trotz der vielen Orte an denen Leben möglich wäre die einzigen in unserer Galaxis sind. Uns fehlt einfach die Einordnung. Doch sollte man auf Titan Leben entdecken, dann heißt das, dass in einem von 300 Milliarden Sonnensystemen an zwei Orten zur gleichen Zeit Leben existiert. Und das bedeutet wiederum, dass es im Universum nur so vor Leben wimmelt. Wenn in nur einem Sonnensystem zweimal unabhängig Leben entstanden ist, dann muss es auch an anderen Orten passiert sein – womöglich an vielen Orten in der Galaxis.

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