Generationenschiffe

Ein Generationenraumschiff ist machbar!

Generationenraumschiff: Die einzige Möglichkeit zur interstellaren bemannten Raumfahrt

Interstellare Raumfahrt liegt noch in weiter Ferne. Und selbst wenn, dann werden wir zunächst nur Raumsonden zu fremden Sternen schicken. Dass wir Menschen jemals fremde Sterne besuchen, erscheint den meisten vollkommen unwahrscheinlich. Doch dafür ist weder der Warp-Antrieb noch die exotische Antimaterie notwendig. Nein, mit heutiger Technik wäre ein bemannter Flug zu den Sternen machbar. Ein solches Unterfangen wäre womöglich sogar einfacher als ein unbemannter Flug, wie er derzeit geplant wird. Und er würde sich lohnen. Wir Menschen könnten unabhängig um Universum sein, an keinen Stern gebunden. Wir könnten zu fremden Sternen reisen. Doch das geht realistisch betrachtet nur mit einem Generationenraumschiff, aber  dafür verlangt es die Aufgabe der Menschenrechte wie wir sie kennen.

Mehrere Generationen durchs All

Der Gedanke sind riesige fliegende Kolonien im All. Bewohner würden hier geboren, würden leben, Nachkommen zeugen und sterben, bis ihre Nachfahren irgendwann ein fremdes Sternsystem erreichen und die Planeten kolonisieren. Mit dem derzeit schnellsten funktionierenden Antrieb würde eine Reise dorthin etwa 6300 Jahre dauern. Diese Zeitspanne zu überbrücken, ist durchaus möglich. Es gibt nur eine elementare Anforderung an solche Projekte: Es müssen genug Menschen an Bord sein. Fliegt man mit zu wenig Menschen, ergibt sich schnell ein genetischer Verlust – sprich Inzucht. 49 gut ausgewählte, genetisch verschiedene Paare müssten für einen solchen Flug reichen.

Womöglich ginge sogar noch weniger. Denn bei dieser Simulation ist nach 1/3 der Flugzeit eine Katastrophe eingeplant, die wiederum 1/3 der Besatzung tötet. Eine Seuche wäre denkbar. Fortpflanzung wäre nur im Zeitraum zwischen 32 und 40 erlaubt und nur zwischen vorher festgelegten Paaren. Das ist kein Machbarkeitsbeweis für eine Generationenraumschiff, sondern lediglich der Beweis dafür, dass es theoretisch möglich ist, Menschen zu fremden Sternen zu schicken. Doch es bleibt eine Unsicherheit. Obwohl die Simulation recht pessimistisch ausgelegt ist, kann die kosmische Strahlung beispielsweise die Fruchtbarkeit mindern.

Die Würde des Menschen ist unantastbar?

Sind Generationenraumschiffe mit den Menschenrechten kompatibel? Die erste Generation wäre (hoffentlich) auf freiwilliger Basis dabei. Doch schon die zweite Generation wäre dazu verdammt, niemals frische Luft zu atmen, die Welt zu entdecken und einen guten Beruf zu erlernen. Die Berufe würden sich einzig und allein dem Erhalt des Schiffes widmen. Alle darauf folgenden Generationen wären unfrei. Sie würden niemals irgendetwas anderes sehen als die endlose Leere des Alls. Ethisch fragwürdig ist das Generationenraumschiff deshalb auf jeden Fall.

Wie könnte es aussehen?

Über den Antrieb müssen wir uns wenig Sorgen machen. Ein nuklearer Pulsantrieb oder sogar heute schon lange vorhandene Triebwerke würden ausreichen, um in einigen Jahrtausenden zum nächsten Stern zu fliegen. Der bewohnbare Teil des Schiffs bestünde aus einem rotierendem Torus, dessen Innenseite bewohnt ist. Durch die Rotation würde künstliche Gravitation erzeugt. Schließlich bräuchte man noch eine Art künstliches Magnetfeld, welches in der Lage ist, kosmische Strahlung abzuschirmen. Das Volumen des Raumschiffs wäre so groß, dass der Himmel in seinem Innern blau erschiene und des sogar regnen würde.

Was würde passieren?

Wenn man sich ansieht, wie die Erde vor 6300 Jahren aussah, erscheint es als eher unwahrscheinlich, dass das was am Ziel ankommt noch irgendetwas mit der Menschheit zutun hat. Bedingungen wie die kosmische Strahlung oder die künstliche Gravitation könnten Mutationen hervorrufen. Der Technologiesprung in 6300 Jahren wäre enorm. Man weiß einfach nicht, was auf der Reise passiert.

Trotz dieser Probleme sehe ich das Generationenraumschiff als die realistischste Art interstellaren Reisens an. Ansonsten gibt es nur diese Warp- und Wurmloch-Geschichten, die ich äußerst skeptisch sehe und Konzepte, die Klonen und von Robotern aufgezogene Menschen beinhalten, was die meisten Menschen vermutlich noch unethischer finden als das umstrittene Konzept des Generationenraumschiffs.

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

5 Gedanken zu „Ein Generationenraumschiff ist machbar!&8220;

  1. Wieder mal ein sehr schöner, kurzer und übersichtlicher Artikel über ein Thema über das ich mir ohne deinen Blog niemals Gedanken machen würde. Danke dafür, Jason.

    Realistisch mag diese Reise mit einem Generationenraumschiff ja sein. Aber ist sie denn auch lohnend? Der „Preis“ – ohne damit meine ich nicht das zu investierende Geld – ist sehr hoch. Und egal was dabei rumkommt, hat die Menschheit von heute ja gar nix davon…Was erhoffen sich Menschen, die diese Reise heute gedanklich planen davon?

  2. Interessante Vorstellung. Würdest Du da als erste Generation mitmachen wollen?
    Und wie gross sollte die Besatzung dann im Durchschnitt werden, bzw wieviel Kinder sollte ein Paar zeugen? Vlt wärs auch sinnvoller mit tiefgefrorenen Eizellen usw zu reisen um das ganze etwas kleiner zu halten?

    1. Ich würde mitreisen und mich auch freuen, wenn ich dort geboren wären würde. Die Größe sollte nicht so wichtig sein. Wie vieler Kinder man hat, wird klar geregelt sein. Wahrscheinlich läuft sowieso alles durch Künstliche Befruchtung. Tiefgefrorene Eizellen wären denkbar, aber wenn man daran denkt, dass sie dann von Robotern in Brutkästen am Ziel aufgezogen werden, bringt das noch größere ethische Probleme mit sich, als die Generationenschiffe.

  3. Du könntest mal erklären, welche Energiequelle wir auf solch einem Schiff nutzen sollten, fern ab von einer Sonne. Bei rund zehn bis vierzig Kelvin wird’s ganz schön kalt auf Dauer. Spass mal beiseite:

    Mit einem Torus kann man nur schwerlich lateral beschleunigen. Zudem – wie handhaben wir die Versorgung der Generationen von Menschen? Der Anbau von Nahrung kommt aufgrund einer fehlenden Sonne ja nicht in Frage.

    Fernab von Nahrung und Treibstoff überlege ich gerade, wie wir mit Verschleiss umgehen würden. Selbst Türgriffe und Fußböden nutzen sich in wenigen Jahrzehnten derart ab, dass sie getauscht werden müßten.

    Wo würde der Abrieb von den an Bord befindlichen Metallen und Kunststoffen bei „künstlicher Gravitation“ (eigtl. Zentripedalkraft durch Rotation) wohl landen? Zunächst in der Atemluft und dann in den Lebewesen an Bord.

    Das würde eine schrecklich giftige Umgebung sein, in ein paar Jahrzehnten; mal ganz abgesehen von Hautabrieb, Haaren, Fingernägeln und Methan durch Verdauungsprozesse (schönen Gruß ans Apollo-Programm und an die ISS).

    Mein Vorschlag deshalb: Ein Raumschiff in Form eines Quaders (oder Schukarton). Nicht lateral, sondern lotrecht zur Oberfläche, mit 9,81 Newton (Erdgravitation), konstant beschleunigt. Mittels Kernfusion (höhchste bekannte Energiedichte) angetrieben.

    Bei dreimonatiger konstanter Beschleunigung wären wir dann bei einer Geschwindigkeit von etwa 0,7c (210,000 km/s) und flögen bereits am Pluto vorbei.

    Nach rund drei Jahren wären wir dann bei 0,8c (240,000 km/s) und auf dem halben Weg zu Alpha Centauri.

    Randnotiz: bei Geschwindigkeiten von über 0,7c kommt uns aufgrund des Dopplereffektes (hier eher Blauverschiebung Elektromagnetischer Strahlung – die ist überall im interstellaren Medium gleich) super harte Gammastrahlung aus allen Richtungen entgegen. Um uns zu schützen sollte die Abschirmung aus einer circa zwei Meter dicker Bleiverschalung bestehen (das ist eine Menge Gewicht :-).

    Egal, denn nach dreißig Jahren hätten wir bei 0,999992c den Rand des sichtbaren Universums erreicht – wären aber leider durch die Zeitdiletation rund fünfzehn Milliarden Jahre der Erdzeit hinterher – und abgebremst hätten wir dann auch noch nicht. Whoops, vergessen mit einzurechnen (Zeitraum mal zwei, fertig).

    Mit einem Warpantrieb zu reisen fände ich persönlich ja cooler. Da könnte man dann Kommandos geben wie „Nummer eins, machen Sie es so“ und „Energie“.

    Ach ja, das Handtuch nicht vergessen!

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