Apollo versus Artemis

Vor 50 Jahren hätte sich wohl keiner erträumen lassen, in welchem Zustand die NASA das 50.Jubiläum der Mondlandung feiern wird. Denn an jenem Tag, an dem Apollo 11 auf dem Mond aufsetzte, dachte man bei der NASA die Kolonisierung des Sonnensystem könne beginnen. Dass der Mensch bemannt auf dem Mars landet, prognostizierte man schon für die 80er. Das Space Shuttle sollte die Kosten für Raumflüge so weit senken, dass schon um die Jahrtausendwende über 100.000 Menschen im All leben. Doch man hatte die Herausforderungen unterschätzt. Als auf der ISS das erste Mal Menschen über längere Zeit im All lebten zeigte, sich dass die Schwerelosigkeit zu Muskelabbau führt, die kosmische Strahlung das Erbgut verändert und die Einsamkeit die Besatzung reizt. Zudem waren die Kosten des Space Shuttles über 70 mal höher als erwartet. Dem haben wir es zu verdanken, dass heute drei Menschen im All leben.

Vorstellung einer Raumstation aus den 70er Jahren

Kurz vor dem großen Wurf

Doch die bemannte Raumfahrt steht vor dem großen Wurf. Denn bereits nächstes Jahr wird das Raumschiff das erste mal zum Mond fliegen, welches der Menschheit zur Besiedlung von Mond und Mars helfen wird. Dann, 2022 sollen wieder Menschen zum Mond fliegen. 2024 sollen dann vier Astronauten am Südpol des Mondes landen. Die NASA gab dem Projekt den Namen Artemis-Programm, denn Artemis ist in der griechischen Mythologie die Zwillingsschwester von Apollo. Doch wie viel haben Apollo und Artemis wirklich miteinander zutun. Ist Artemis überhaupt viel mehr als eine Neuauflegung des Apollo-Programms 50 Jahre später? Ein Vergleich.

Direktvergleich Apollo – Artemis

1.Die Trägerrakete

Apollo

Beginnen wir mit der Trägerrakete, denn die Trägerrakete muss das Raumschiff von einem Weltraumbahnhof ins All bringen. Damit stellt sie einen wichtigen Part da, ohne die Trägerrakete kann die Mission nicht starten. Das Apollo-Programm nutzte die legendäre Saturn V als Trägerrakete. Sie war ein voller Erfolg, denn keine Rakete wurde in so kurzer Zeit entwickelt. Dennoch handelt es sich um die größte, stärkste und sicherste Rakete aller Zeiten. Jedoch wurde sie von Wernher von Braun entwickelt, der für die Nazis auch die A4 entwickelt hat, die erste Rakete, die je ins All flog. Sie hat eine Höhe von 110 Metern und ist somit die einzige Rakete, die Menschen über einen niedrigen Erdorbit hinweg bringen kann, eine Grundvorraussetzung für die Kolonisierung des Alls. Seitdem die NASA die Rakete eingemottet hat kommen wir nur noch in Höhen von wenigen hundert Kilometern.

Artemis

Die Trägerrakete ist bei Artemis ein wunder Punkt. Das Space Launch System (SLS) soll die Astronauten hier zum Mond bringen. Doch sie ist der mit Abstand desaströseste Part des Programms, denn ursprünglich sollte sie bereits 2017 fliegen. Anfang 2019 war jedoch noch nicht einmal die erste Stufe der Rakete fertig. Doch das SLS soll sogar in drei verschiedenen Versionen gebaut werden, die erste davon soll etwa 98 Meter groß sein und auch die sein, die die Astronauten 2022 und 2024 zum Mond bringt. Doch die Kosten sind explodiert und der Zeitpunkt der Fertigstellung ungewiss.

    Saturn V   SLS Block 1
Maximale
Nutzlast:
118 Tonnen
(niedriger
Erdorbit),
47 Tonnen
(Mond)
95 Tonnen (niedriger
Erdorbit),
26 Tonnen (Mond)
Höhe: 111 Meter 98 Meter
Einsatzbereich: Niedriger Erdorbit,
Mond
Mond, Mars, Asteroiden
(bemannt)
Äußeres Sonnensystem
(unbemannt)
Startmasse: 2800 Tonnen   2500 Tonnen      

Der einzige Vorteil des SLS ist also die Flexibilität, denn sie kann auch für unbemannte Forschungsmissionen eingesetzt werden. Mit ihr werden wir also Raumsonden bis an den Rand unseres Sonnensystem schicken können oder deutlich größere Raumsonden zu den Gasplaneten befördern. So soll das SLS 2023 eine Raumsonde zum Jupitermond Europa bringen, die dort nach außerirdischem Leben sucht. Doch insgesamt bleibt dennoch festzuhalten, dass das SLS Block 1 50 Jahre nach der Saturn V weniger leistungsstark sein wird und extreme Umsetzungsschwierigkeiten hat. 1:0 für Apollo.

2.Das Raumschiff

Apollo

Das Apollo-Raumschiff galt früher als das Musterbeispiel für futuristische Technik. Heute würden wir vermutlich nicht glauben, dass so etwas Menschen zum Mond bringen kann. Das Apollo-Raumschiff konnte drei Menschen in drei Tagen zum Mond bringen, aber insgesamt standen den Astronauten etwa sechs Kubikmeter zu Verfügung.

Artemis

Das neue Raumschiff der NASA ist das Orion-Raumschiff. Allerdings wird in Kooperation mit der ESA gebaut und kann vier Menschen zum Mond bringen. Schon das ist etwas ganz Besonderes, denn es ist das erste Mal, dass die ESA einen Teil eines Raumschiffes baut, ohne das die Mission nicht starten kann. Schließlich schloss die NASA das bisher immer aus. Außerdem ist es deutlich geräumiger und bietet den Astronauten fast 20 Kubikmeter Raum. Schon der erste Flug des Raumschiffs im Erdorbit 2014 war ein voller Erfolg, so umkreiste Orion die Erde unbemannt in einer Entfernung von fast 6000 Kilometern. Dann, am 2.Juli 2019 wurde das Rettungssystem im Flug getestet und auch das war ein Erfolg. Somit ist der Weg frei für den ersten Mondflug des Raumschiffs im nächsten Jahr.

  Apollo-Raumschiff   Orion
Besatzung: 3 4
Geschwindigkeit: ca. 40.000 km/h ca. 32.000 km/h
Einsatzbereich: Niedriger Erdorbit, Mond Erdorbit, Mond,
Mars,
Asteroiden  
Bewohnbares Volumen 6,17 m3 19,55 m3    

Orion ist größer, flexibler und kann mehr Menschen transportieren als sein Pedant des Apollo-Programms. Grundsätzlich baut Orion jedoch auf seinem Vorgänger auf, völlig neu sind nur die Solarpaneele zur Energieerzeugung. Dennoch: 1:1.

3.Die Landung

Apollo

Doch für eine Mondlandung ist auch eine Fähre notwendig, die die Astronauten aus dem Mondorbit auf die Oberfläche bringt. Die Mondlandefähre des Apollo-Programms war der abenteuerlichste Part, denn sie erinnert ein wenig an das fiktive „Fliewatüüt“, einem zusammengebastelten Fahrzeug aus einem Kinderfilm. Beunruhigend, wenn man sich die Aufgabe der Fähre ansieht. Sie muss die Astronauten nicht nur auf den Mond bringen, sondern auch wieder von der Oberfläche zum Raumschiff. Eine Stufe verbleibt dabei auf dem Mond, während eine weitere die Astronauten zurück zum Raumschiff bringt. Das Vertrauen der US-Regierung in die Fähre schien nicht allzu groß zu sein, immerhin gibt es eine Aufzeichnung mit dem Titel „Im Falle eines Mond-Desasters“, auf dem steht, wie die NASA und Präsident Nixon zu reagieren haben, wenn die Fähre die Astronauten nicht zurück zum Raumschiff bringen kann. Somit wären die Astronauten sicher dem Tode geweiht und müssten auf dem Mond sterben.

Präsident Nixon hätte zuerst die Ehefrauen der Astronauten angerufen. Dann hätte er folgende Rede an die Nation gehalten.

Die Rede des Präsidenten

Das Schicksal hat entschieden, dass die Männer, die zum Mond aufbrachen, um ihn in Frieden zu erforschen, auf dem Mond bleiben und dort in Friede ruhen werden.

Diese mutigen Männer, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, wissen, dass es keine Hoffnung auf ihre Rettung gibt. Aber sie wissen auch, dass ihr Opfer die Menschheit hoffen lässt.

Diese beiden Männer geben ihr Leben für das edelste Ziel der Menschheit: das Streben nach Wahrheit und Verstehen.

Ihre Familien werden um sie trauern; ihre Heimat wird um sie trauern; die Welt wird um sie trauern; Mutter Erde wird um sie trauern, die zwei ihrer Söhne ins Ungewisse zu schicken wagte.

Mit ihrer Mission bringen sie die Menschen in aller Welt dazu, sich einander nah zu fühlen; sie festigen das Band der weltweiten Bruderschaft.

In der Antike blickten die Menschen zu den Sternen und erkannten in ihren Konstellationen ihre Helden. Daran hat sich heute nicht viel geändert, ausser, dass unsere Helden aus Fleisch und Blut sind.

Andere werden ihnen folgen und ihren Weg nach Hause finden. Das menschliche Streben wird nie aufhören. Aber diese Männer waren die Ersten und werden zuvorderst in unseren Herzen bleiben.

Alle Menschen, die in den kommenden Nächten zum Mond blicken, werden wissen, dass ein Teil einer anderen Welt existiert, der für immer zur Menschheit gehört.

„In Event of Moon disaster“

Dann hätte die NASA die Kommunikation beendet, um das tragische Schicksal der Astronauten nicht zu dokumentieren. Zum Glück musste diese Rede nie gehalten werden, denn tatsächlich brachte die Mondlandefähre die Astronauten sicher zum Mond und zurück. Ihre Konstruktion war eine technische Meisterleistung, schließlich musste sie so leicht wie nur irgendwie möglich sein. Sitze waren zu schwer, daher mussten die Astronauten stehen. Die Rechenleistung der Computer reichte nicht für eine automatisierte Mondlandung, daher musste Armstrong die Landefähre manuell landen.

Die Astronauten hielten sich nie länger als drei Tage auf dem Mond selbst auf, dabei schliefen sie in der Mondlandefähre und machten bei den Missionen 15, 16 und 17 Ausflüge mit dem LRV, dem „Moon Buggy“. Die Landeplätze befanden sich alle in den gebirgigen Regionen nahe des Äquators des Mondes. Etwa setzte Apollo 11 im Mare Tranquilitatis auf, wohingegen Apollo 12 im Oceanus Procellarum aufsetze.

Artemis

Doch beim Artemis-Programm sieht das alles anders aus. Die Mondlandefähre soll dort von einem privaten Unternehmen entwickelt werden, verschiedene Firmen arbeiten derzeit an solchen Raumschiffen, unter anderem Blue Origin und Lockheed Martin. Außerdem soll die Landefähre wiederverwendbar sein. Dafür wird eine Mini-Raumstation im Mondorbit gebaut, das sogenannte Gateway. Schließlich soll das Orion-Raumschiff diese Raumstation anfliegen. Dort sollen dann zwei Menschen bleiben und experimentieren. Zwei weitere sollen dort in die stationierte Mondlandefähre einsteigen und zur Oberfläche fliegen. Die Fähre soll somit nur zwischen Gateway und Oberfläche pendeln. Doch die Landeplätze sollen diesmal in der Südpolarregion des Mondes, im sogenannten Shackleton-Krater liegen.

Die neue Mondlandefähre wird wiederverwendbar sein und somit einen dauerhaften Pendelverkehr zum Mond möglich machen. Somit steht es 1:2 für Artemis. Das Artemis-Programm ist anspruchsvoller als das Apollo-Programm, das ist klar. Doch das liegt daran, dass Artemis ein ganz anderes Ziel verfolgt als Apollo.

Die Kolonisierung des Mondes

Die Auswahl des Shackleton-Kraters als Landeplatz ist eine deutliche Botschaft von der NASA. Denn diesmal soll möchte die NASA zum Mond, um zu bleiben. Schließlich soll eine dauerhafte menschliche Präsenz am Mond entstehen, so versteht sich auch das Gateway. Menschen sollen dort lernen dauerhaft fernab ihres Heimatplaneten zu leben, es ist Stufe 2 der Weltraumkolonisierung. Denn im Shakleton-Krater gibt es große Reserven an Wassereis, dort soll eine Mondbasis entstehen, die das Eis schmilzt und daraus Sauerstoff, Trinkwasser und Raketentreibstoff macht. Am Rand des Shakleton-Kraters scheint fast das ganze Jahr durchgehend die Sonne, daher ist dort die Installation von Solarzellen zur Energieversorgung geplant. Doch all dies soll schrittweise geschehen, hier eine Übersicht.

Übersicht der geplanten Artemis-Missionen

Missions
name
Zeit
punkt
Profil
EFT-1 2014 Unbemannter Testflug von Orion in
der Erdumlaufbahn – erfolgreich
Artemis 1 2020 Unbemannter Flug von Orion
um dem Mond herum
Artemis 2 2022 Orion bringt eine vermutlich
vierköpfige Besatzung einmal
um den Mond
2023/2024 Mehrere unbemannte
Raketen bringen Antriebs und
Wohnmodul des Gateways und
Mondlandefähre in die
Mondumlaufbahn
Artemis 3 2024 Orion bringt eine vierköpfige
Besatzung zum Gateway,
Mondlandefähre bringt
Astronauten zum Südpol
des Mondes
Artemis 4 2025 Orion bringt eine vierköpfige
Besatzung zum Gateway, zweites
Wohnmodul wird am Gateway
montiert, Mondlandefähre bringt
Astronauten zur Oberfläche
und zurück
Artemis 5 2026 Orion bringt vierköpfige Besatzung
und Logistik zum Gateway,
Mondlandefähre bringt Astronauten
zur Oberfläche und zurück
Artemis 6 2027 Orion bringt vierköpfige Besatzung
und robotischen Greifarm zum
Gateway, Mondlandefähre bringt
Astronauten zur Oberfläche und zurück
Artemis 7 2028 Astronauten bringen ein Habitat
in den Shackleton-Krater auf
der Mondoberfläche
Artemis 8 2029 Orion bringt vierköpfige Besatzung
und zweiten Greifarm zum Gateway,
Astronauten landen auf dem Mond
und leben im Habitat
Späterer
Flug
2033 Orion bringt vierköpfige Besatzung
zum Gateway, verkoppelt sich mit
einem Wohnmodul und bringt die
Astronauten in einem dreijährigen
Flug mit Venus-Swing-by ohne Landung zum
Mars und zurück, anschließend
weitere Flüge mit Landungen

Uns stehen sicherlich aufregende Zeiten bevor. Schließlich stehen wir direkt an der Schwelle eines neuen goldenen Zeitalters der Weltraumfahrt. Somit werden wir schon bald tiefer ins All fliegen als jemals zuvor. Der Mensch wird das All kolonisieren und diesmal werden wir bleiben.

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

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