10 Fakten über den Merkur

Die europäisch-japanische Mission BepiColombo hat sich am 20.Oktober auf den Weg zum Merkur gemacht. Erst zweimal davor erhielt der sonnennächste Planet Besuch von der Erde. Schließlich hat er weder Monde, noch Ringe, eine Atmosphäre oder irgendetwas anderes, womit er Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zu sehen ist er immer nur kurz in der Abend- und Morgendämmerung als kleiner organger Lichtpunkt. Es wurde sogar schon vom „vergessenen Planeten“ gesprochen. Doch die Raumsonde BepiColombo erwartet bei ihrer Ankunft 2021 ein noch ziemlich geheimnisvoller, aber hochinteressanter Planet, der sicher noch für einige Überraschungen gut ist.

Merkur
BepiColombo macht sich mit Ionenantrieb und Swing-By auf den Weg zum Merkur, um ihm die letzten Geheimnisse zu entlüften.

1.Auf dem Merkur gibt es Wassereis

Ja, richtig, auf dem sonnennächsten Planeten gibt es gefrorenes Wasser. Schon die zweite Sonde, die zum Merkur flog, MESSENGER machte diesen Sensationsfund. In ständig im Schatten liegenden Kratern in der Nähe des Nordpols des Merkurs gibt es eine mindestens 30 Zentimeter dicke Schicht aus Wassereis. An einigen Stellen könnte sie sogar 20 Meter dick sein. Vermutlich kam das Eis mit Kometen und Asteroiden auf den Planeten. Auch am Südpol des Planeten wird Eis vermutet, das MESSENGER den Merkur jedoch auf einer relativ nördlichen Umlaufbahn erforschte, konnten nur die nördlichen Regionen erforscht werden. BepiColombo hat also noch etwas zutun.

2.Er hat keinen Mond

Der Merkur hat so wie die Venus keinen Mond. Als die erste Raumsonde Mariner 10 sich dem Merkur näherte, interpretierte man allerdings die Daten falsch, sodass man dachte, man hätte um den Merkur einen Mond entdeckt. Die verkündete Falschmeldung war allerdings schon um die Welt gegangen, bevor man sie als nicht korrekt erkannte. Es handelte sich nur um den Stern 31 Crateris, der sich aus der Sich der Sonde in der Nähe des Merkurs befand. Heute gilt die Existenz eines Mondes um Merkur als ausgeschlossen.

3.Er hat einen übergroßen Kern

Der Aufbau des Merkurs weist einige Besonderheiten auf. Die Atmosphäre des Merkurs ist dünner als jedes Vakuum, welches wir auf der Erde herstellen können. Die gesamte planetenumspannende Hülle wiegt vermutlich nur eine Tonne und ist durch den Sonnenwind verursacht. Die Oberfläche des Merkurs ist überseht von Kratern und Lavafeldern. 95% sind kartiert, die restliche 5% werden wohl durch Bepi Colombo kartiert werden. Doch am seltsamsten ist das Innere des Merkurs. Nach der Erde ist er der dichteste Planet des Sonnensystems. Sein Radius-Dichte-Verhältnis sticht weit aus dem Normalwert der Gesteinsplaneten heraus. Der Eisen-Nickel-Kern des Planet macht 70% der Masse des gesamten Planeten und circa 75% des Radius aus und ist damit vermutlich größer als der Erdmond.

4.Seine Bahn ist instabil

Die Sonne hält mit ihrer im Sonnensystem dominanten Gravitation die Planenten auf ihren Bahnen. Doch die Planeten beeinflussen sich auch untereinander. Das gilt insbesondere für Merkur. Da der Planet selbst eine sehr geringe Anziehungskraft hat, steht er mit der Venus und dem Jupiter in enger gravitativer Bindung, allerdings auch mit der Erde. Irgendwann in den nächsten fünf Milliarden Jahren, soviel ist sicher, werden Merkur und Jupiter eine sogenannte Bahnresonanz eingehen. Die Umlaufzeit des Jupiters ist dann genau ein Vielfaches der Umlaufzeit des Merkurs. Solche Resonanzen sind nie gut für die Ordnung des Sonnensystems. In der Entstehungsphase der Planeten standen Jupiter und Saturn schon einmal in einer Bahnresonanz, was im ganzen Sonnensystem heilloses Chaos anrichtete. Asteroiden und Kleinplaneten wurden aus dem Sonnensystem in weite elliptische Orbits geschleudert, Uranus und Neptun tauschten mehrmals ihre Bahnen und die inneren Planeten wurden mit Asteroiden zugeschüttet. Ein ähnliches Chaos wird bei der Merkur-Jupiter-Resonanz eintreten.

Die Umlaufbahn des Merkurs wird durch die Eiwirkung von Venus, Erde und Jupiter dann immer elliptischer werden, bis sie die Bahn der Venus kreuzt. Auf der anderen Seite der Bahn wird der Merkur jedoch viel näher an die Sonne wandern, als er bisher ist. Er könnte in die Sonne stürzen oder mit der Venus kollidieren. Aber er könnte durch die Annäherung an die Venus auch mit der Erde kollidieren. In Computersimulationen passierte das in tausend Fällen ein Mal. Vielleicht wird er durch das Wechselspiel von Sonne, Venus, Erde und Jupiter auch aus dem Sonnensystem geschleudert. Fest steht, dass dem inneren Sonnensystem eine turbulente Zeit bevorsteht.

5.Er hat einen zu großes Magnetfeld

Unter den Gesteinsplaneten besitze nur die Erde ein Magnetfeld, dachte man lange. Den Merkur hat man gar nicht richtig in Erwägung gezogen. Wenn selbst die Venus, die immerhin fast so groß wie die Erde ist und der Mars der immer noch deutlich größer als der Merkur ist, kein Magnetfeld haben, wieso sollte dann ausgerechnet der Merkur eins haben? Das wissen wir nicht genau, aber wir wissen das es so ist.

Das Magnetfeld des Planeten ist eine der Hauptaufgaben für die BepiColombo-Mission. Dafür hat sie den Mercury Magnetospheric Orbiter dabei. Zwar hat das Magnetfeld des Merkurs nur 1% der Stärke und 5% des Volumens des irdischen Magnetfeldes, dennoch ist das für einen so kleinen Planeten eigentlich zu stark. Von vorne „presst“ der Sonnenwind das Magnetfeld quasi zusammen, sodass der Sonnenwind schon in 1000 Kilometern Entfernung zum Planeten schon stärker ist als sein Magnetfeld. Das Magnetfeld ist über der nördlichen Hemisphäre stärker als über der Südlichen, sodass der Sonnenwind letztere stärker trifft.

6.Er ist schwerer zu erreichen als Neptun

Neben dem geringen öffentlichen Interesse am Merkur hat es einen weiteren Grund, wieso BepiColombo erst die dritte Raumsonde ist, die ihn besucht. Obwohl er nur 75 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt ist (was in astronomischem Maßstäben nicht so viel ist), benötigt man für einen Flug zum Merkur so viel Energie wie für eine Mission zum Pluto. Das liegt daran, dass sich die Erde mit hoher Geschwindigkeit um die Sonne bewegt. Diese muss überwunden werden um ins innere Sonnensystem zu fliegen.

Wenn man die Erde verlassen hat, wird es nicht einfacher. Es funktioniert nicht so, wie man es sich vorstellt, dass die Sonne die Sonde ja automatisch anzieht. Ohne Antrieb verhält sie sich wie ein Planet und umkreist die Sonne. Also benötigt man Vorbeiflugsmanöver an der Erde und der Venus, um überhaupt in die Nähe des Merkurs zu kommen. Dann gehen die Probleme erst richtig los. Der Merkur ist verdammt schnell. Und so wird BepiColombo zunächst sechs Vorbeiflüge am Merkur selbst absolvieren, bevor sie in einen Orbit um den Merkur eintritt. Hier ist eine Animation der Flugbahn.

7.Er ist der schnellste Planet

Wie eben schon erwähnt ist der Merkur sehr schnell, was ihn auch schwer erreichbar macht. Er ist der schnellste Planet des Sonnensystems. Ein Jahr auf dem Merkur dauert weniger als 88 Tage. Er umrundet die Sonne mit eine Geschwindigkeit von 47,36 km/s. Demnach muss BepiColombo sich teilweise mit einer Geschwindigkeit von über 50 km/s bewegen. Zum Vergleich: Die Erde umrundet die Sonne mit der Geschwindigkeit von circa 30 km/s. Doch durch die hohe Geschwindigkeit des Merkurs, passieren an seinem Himmel manchmal komische Sachen.

8.Die Sonne bewegt sich wild am Himmel

Der Merkur hat eine Art Bahnresonanz mit sich selbst. Denn während der sich dreimal um sich selbst dreht, umrundet er die Sonne zweimal. Anderseits ist die Zeit zwischen zwei Meridiandurchgängen der Sonne mit 176 Tagen ungefähr doppelt so lang wie ein Umlauf um die Sonne, der 88 Tage dauert. Wenn man den Tag also auf die Zeit bezieht, die zwischen zwei Passagen der Sonne am Meridian vergeht, dauert ein Tag auf dem Merkur gewissermaßen doppelt so lange wie ein Jahr auf dem Merkur.

Das führt dazu, dass man an gewissen Punkten auf der Merkuroberfläche die Sonne dann aufgehen sehen könnte, bis sie etwa bis zur Mitte aufsteigt, um dann stehen zu bleiben und sich zurück zu bewegen, bis sie untergeht, ehe sie noch am selben Merkurtag wieder aufgeht. Diese Phänomen ist immer in der Nähe des sonnennächsten Punktes der Merkurumlaufbahn beobachten, da dort die Winkelgeschwindigkeit des Merkurs erst genau so groß ist wie die Orbitalgeschwindigkeit (Sonne bleibt scheinbar stehen), sie dann übertrifft (Sonne bewegt sich scheinbar rückläufig und geht unter) und dann erst wieder genau so groß ist (Sonne bleibt wieder stehen) und schließlich wieder kleiner wird (Sonnen setzt gewohnte Bahn fort).

9.Die Relativitätstheorie erklärte seine Bahn

Lange Zeit vermutete man einen weiteren Planeten, der noch innerhalb der Bahn des Merkurs kreist und nannte den hypothetischen Planeten Vulkan. Eine weitere Möglichkeit waren die Vulkanoiden, ein vermuteter Asteroidengürtel zwischen Sonne und Merkur, der Unregelmäßigkeiten der Umlaufbahn des Merkurs erklären sollte. Die Relativitätstheorie erledigte das dann aber. Es gibt darum, dass sich die genaue Lage des sonnennächsten Punkt des Merkurs mit dem damals vorherrschenden Newtonschen Modell nicht erklären lies. Das motivierte Einstein wohl bei seiner Idee, dass Newtons Gesetze eben nicht die korrekten Gravitationsgesetze sind und es noch etwas anderes geben muss. Weiterhin wird der Asteroidengürtel der Vulkanoiden jedoch nicht ausgeschlossen.

10.Er könnte ein Mond der Venus gewesen sein

Da Merkur so klein ist und keinen Mond hat und die Venus auch keinen Mond hat, könnte es naheliegend erscheinen, zu denken, dass der Merkur tatsächlich mal ein Mond der Venus war, der ihr entkommen ist. Die Bahnen der beiden Planeten schließen das grundsätzlich nicht aus, allerdings gibt es noch keine Erklärung dafür, wie Merkur aus dem Orbit der Venus katapultiert worden ist. Ist diese Hypothese war, dann hat die Venus einen tiefen Fall hinter sich: Vom lebensfreundlichen ozeanbedeckten Planeten mit einen üppigen Mond zu einer mondlosen Gluthölle.

 

Danke fürs Teilen dieses Beitrags.

Ein Gedanke zu „10 Fakten über den Merkur

  1. Hochinteressante Fakten hast Du da zusammengetragen und vorgestellt! Hat richtig Spass gemacht, Deinen Beitrag zu lesen! Ich werde bestimmt wieder auf Deinem Blog vorbeischauen! Viele Grüße aus Heidelberg, Isa Fröhling

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.